Archiviert in der Kategorie "Menschen"

Was soll man denn sagen?

12. Februar 2009 - 13:59 Uhr

Ja, hier ist es – sogar für meine Verhältnisse – etwas zu still geworden.

Ich würde gerne ein wenig Optimismus versprühen, aber unter den derzeitigen Umständen gestaltet sich das ein wenig schwierig. Es sagt sich so leicht hin, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt. Frau Merkel hat ja einen guten Teil dazu beigetragen, das Wort „Chance“ so trefflich abzunutzen wie so viele, die sinnentleert und -entstellt zurückbleiben, wenn sie von Politikern oder Managern missbraucht werden. Nur noch Munition in Wortkriegen, die leere Hülsen und getroffene Menschen zurücklassen.

Es fällt leicht, dem mit fürchterlichem Schimpfen zu begegnen oder mit Geplapper zu entfliehen. Es fällt mir sogar noch relativ leicht etwas genauer hinzuschauen und festzustellen, dass der Reichtum dieser so genannten westlichen Welt im Grunde nur auf einer Jahrhunderte langen Plünderung fußt, die in früheren Zeiten sehr offen vollzogen wurde und heute etwas verbrämter als „Globalisierung“ daher kommt. Ich kann die Wut derer verstehen, die dadurch um ihren Teil gebracht wurden.

Ich empfinde es als schmerzhaft, mich als Teil eben dessen zu sehen. Es ist nun leider faktisch so, dass ich aber eben ein Teil bin. Selbst bei dem Bemühen, ein wenig anständiger mit den Ressourcen umzugehen, die dieser Planet bietet, müsste es etwas mehr als zwei Erden geben, damit jedem Einzelnen die gleichen Möglichkeiten wie mir geboten würden. Daran ist auch derzeit nicht so sehr viel zu ändern, da ein erheblicher Teil des Ressourcenverbrauchs in öffentliche Einrichtungen, Infrastruktur und so weiter fällt, den ich eben nur wenig beeinflussen kann.

Was soll ich denn einer kommenden Generation oder denen, die jetzt schon um ihren Teil betrogen sind, sagen? Vielleicht wäre ein leises, ehrliches „Es tut mir leid“ eine der besseren Antworten. Ich habe keine gültige Lösung für die Probleme die sich stellen. Aber vielleicht liegt ja der Schlüssel gerade darin, sich erst ein mal als Teil des Problems zu fühlen um Teil der Lösung zu werden. Ich nehme an, dass Zuhören und Hinsehen dienlicher sind als laute Worte.

Ich fürchte, dass es gerade diejenigen sein werden, die wie laute wütende Kinder hinter ihren Rednerpulten stehen, die weiterhin den Ton angeben und ihre Machtspielchen um der Macht willen spielen.

Ich fürchte, dass im lauten Getöse noch nicht einmal die Chancen erkannt werden, die sich bieten könnten.

In diesem Jahr stehen zumindest hier im Saarland gleich zwei Wahlen an. Wem sollte ich denn guten Gewissens meine Stimme geben? Aus Überzeugung habe ich das letzte Mal mit achtzehn Jahren gewählt. Danach war ich nur noch bemüht, das geringste Übel zu wählen. Wahrscheinlich werde ich dieses Jahr meine Stimme in stummem Protest für mich behalten.

Nicht ohne ihn

6. November 2008 - 2:32 Uhr

Wenn es einen Grundstein für Barack Obama gibt, dann diesen …

Dream come true?

George Orwells Tagebücher

31. Juli 2008 - 17:19 Uhr

Gerade bei heise gelesen, dass George Orwells Tagebücher ab dem 9. August in Form eines Blogs veröffentlicht werden. Zwar um siebzig Jahre versetzt, aber jeweils zum gleichen Datum. Es ist zwar müssig darüber nachzudenken, ob dies im Sinne Orwells wäre, aber in seinem Roman „1984″ lässt er seinen Protagonisten Winston Smith eher düstere Gedanken hegen:

Für wen, fragte er sich plötzlich, legte er dieses Tagebuch an? Für die Zukunft, für die Kommenden. Sein Denken kreiste einen Augenblick um das zweifelhafte Datum auf der ersten Seite und prallte dann jäh mit dem Wort Zwiegedanke aus der Neusprache zusammen. Zum erstenmal kam ihm die Größe seines Vorhabens zu Bewußtsein. Wie konnte man sich mit der Zukunft verständigen? Das war ihrer Natur nach unmöglich. Entweder ähnelte die Zukunft der Gegenwart, dann würde man ihm nicht Gehör schenken wollen; oder sie war anders geartet, dann war seine Darstellung bedeutungslos.

Meine Ausgabe des Buchs stammt übrigens aus dem Jahr 1984. Daher auch noch alte Rechtschreibung. Winston zuliebe habe ich es so belassen ;-).

Extreme Anprangering

30. Juli 2008 - 14:28 Uhr

Ich mag ja Betroffenheitsjournalismus. Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie das ZDF über die Einschränkung der Pressefreiheit in Peking berichtet. Die Beklommenheit ist nahezu greifbar, wenn Johannes Hano berichtet:

Wir haben immer noch Probleme. Neulich erst ist ein Team von uns herausgefahren aus der Stadt, wollte zu einem Wanderarbeiterdorf, da hat uns die Polizei mit einem Auto einfach touchiert, man hat es vor uns rein gefahren ins Auto um uns dann zu sagen, jetzt sei ja unser Auto kaputt, wir dürften nicht mehr weiter fahren. Also man tut alles mögliche um uns unter Druck zu setzen. Neulich hatten wir sechs Polizisten hier im Studio, die einfach mal wieder unsere Pässe kontrollieren wollten, das ist schon ziemlich Druck, das ist schon ziemlich anstrengend, was wir hier erleben.

Ich frage mich ernsthaft, was da erwartet wurde. Tag der offenen Tür in China, jeder darf dahin fahren wo er will und anprangern?

Das geht doch schon deshalb nicht, weil dann uns Angela mal wieder schön Wetter machen muss. Dann darf sie schon wieder nicht dem Dalai Lama die Hand geben (Ach ja, Tibet … na ja, ist ja schon lange her, fast vergessen.). Denn ohne schönes Wetter haben die Chinesen vielleicht unsere Konzerne nicht mehr so lieb, und wir dürfen dort nicht mehr an der Umweltverschmutzung und Ausbeutung teil haben. Das ist aber jetzt böse. Selbstkritik! Hilfe! Die Chinesen sind doch die Bösen. Wir sind doch die Guten.

Unsere Sportler dürfen doch den Chinesen endlich mal zeigen, wer die ganzen Sportleibchen und -schühchen, die dort produziert werden, am Ende trägt. Von daher ist Peking als Olympiastadt schon gut gewählt. Jedenfalls noch, denn Adidas erwägt, wegen zu hoher Löhne seine Schlappen lieber vermehrt in Laos, Vietnam, Kambodscha und in Indien zusammen schustern zu lassen.

Warum nicht hier? Ganz einfach:

Ein Adidas-Schuh „made in Germany“ würde im Sportgeschäft nach seinen Berechnungen etwa 500 Euro kosten.

500 Öcken für ein paar hier gefertigte Treter? Sind wir hier größenwahnsinnig bei der Lohnforderung oder höre ich da ein leises „Ausbeuter“? Begründet wird dieser Preis jedenfalls nicht, klingt aber doch so schön hoch.

Liebe Reporter, wenn ihr dann doch noch irgendwo Wanderarbeiter trefft, sagt auch noch schön Danke für meinen iPod, der würde sonst bestimmt eine Million kosten. Seit auch kritisch, prangert dies und das an. Aber bitte nicht vergessen: „wir“ haben da die Finger dicke mit drin im bösen Spiel.

Mensch-Maschine-Maschinen-Menschen

22. Juli 2008 - 13:15 Uhr

Wenn echte Menschen mit Computern musizieren und dazu computeranimierte Maschinen kreieren, die vorgeben mechanisch auf echten Instrumenten zu spielen, dann legt sich die Logikabteilung im Gehirn ein wenig in die Kurve. Aber nett gemacht :-).

Zeichen des Alterns

13. Juli 2008 - 14:45 Uhr

Ein niederschmetterndes Zeichen des Älterwerdens ist, wenn eine Gruppe, die man als Jugendlicher gemocht hat – in diesem Falle BAP – ein zweistündiges Special auf dem lokalen Heimatschnulzenschubidusender* eingeräumt bekommt. Mein erster Gedanke war „Mon Dieu, ich werde langsam alt und gerate in die Zielgruppe“.

Dann habe ich aber doch gemerkt, dass ich die Musik, die sie jetzt spielen, gar nicht mehr mag und auch kaum ein Bedürfnis habe, die alten Sachen noch mal vorzukramen. Innerlich hält sich wohl die Verweigerung zum alten Sack zu werden recht tapfer. Trotzdem … Verdammt lang her.

*Zu meiner „Ehrenrettung“: Ich war zu Besuch bei meinen Eltern ;-).

Da war doch noch was …

19. April 2008 - 9:20 Uhr

Mit irgend etwas war ich doch vor einem Jahr beschäftigt, was ich einmal ausprobieren wollte.
Hmm …

Ach ja, ich hab mal versuchsweise WordPress installiert und so getan als sei ich Blogger ;-). Dann ist ja heute mein erster Bloggeburtstag :-).

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht …

An dieser Stelle ein ganz, ganz herzliches Dankeschön an „meine“ Leser, die es durch ihre Kommentare (hallo, ja, da liest jemand mit) überhaupt erst ermöglicht haben, dass dieses kleine Experiment nicht schon nach ein paar Wochen beendet wurde. Und auch denen einen herzlichen Dank denen, deren Blogs ich mit der Zeit gefunden und zur täglich lieb gewordenen Lektüre entdeckt habe.

Auch ein Dank an diejenigen, die mal kurz über Suchmaschinen hereingeschaut haben und mehr oder weniger etwas zu „Mir sinn Saarbrigger“, „Spießbraten“, „Bruttoinlandsglück“, „Rettet den Schlüpfer“, „Mathe für Langsamdenker“, „Sonderbare Schönheitsideale“ oder ähnlichem gefunden haben ;-).

Ein kleines Blog im äußeren Spiralarm des Blogoversums geht in die zweite Umdrehung.