Archiviert in der Kategorie "Menschen"

Was isst die Welt?

8. Juni 2007 - 0:35 Uhr

Eine kleine Diashow. An dieser Stelle einfach unkommentiert zur eigenen Betrachtung ;-). Vielleicht einfach nur Bild 3 und Bild 15 einsinken lassen …

FAZ.NET – Entwicklungspolitik: „Wer Afrika helfen will, darf kein Geld geben“

6. Juni 2007 - 19:42 Uhr

Eine sehr interessante Sicht der Dinge kommt im Interview mit James Shikwati zum Ausdruck. Er beschreibt die negativen Auswirkungen falsch verstandener oder falsch gemachter „Entwicklungshilfe“, die die afrikanische Bevölkerung nicht auf Augenhöhe sieht und auch so kein eigenverantwortliches Handeln erzeugt.

Von Afrika und Spendernieren

2. Juni 2007 - 14:34 Uhr

bild020607.jpgWillkommen zurück in der Normalität. Bild kümmert sich wieder um die angestammten Themen wie Katja Riemann’s „Neuen“, dass „wir“ heute gegen San Marino 17:0 gewinnen sollen und so weiter blabla. Der „historische“ gestrige Tag ist auf Briefmarkengröße irgendwo im unteren Gewusel der „Seite 1“ zusammengeschrumpft. Ach ja, natürlich fehlt auch der Hinweis nicht, dass die makabere Show zur Spenderniere nur gespielt war. Da bin ich wohl auch auf den Leim gekrochen.

Zurück bleibt der Gedanke, warum die Sensationsmedien gleich den Holzhammer auspacken, um solche Themen dem Volk ins Gedächtnis zu hämmern. Es könnte ja sein, dass sich bei den Herrschaften ein verdrehtes Weltbild eingeschlichen hat, wie bei dem notorischen Fernlichtfahrer, der überhaupt nicht realisiert, wie er andere blendet und über die Blindheit der anderen wettert. Leider geht in diesem emotionalen Taumel eine differenzierte Sicht verloren. Die Lösungsansätze bleiben dann genauso grob behauen wie die Berichterstattung.

Das Drama, das sich schon über Jahrzehnte in Afrika abspielt, bekommt ein anderes Gesicht, wenn ich die Feststellung „es gibt zu wenig Wasser und Nahrung für die Menschen“ auch nur leicht umkehre und sage „es gibt zu viele Menschen für das vorhandene Wasser und die Nahrung“.

Bleibe ich im ersten Bild, bin ich mit meinen Wertvorstellungen noch auf der sicheren Seite, vorausgesetzt ich helfe eifrig.

Betrachte ich aber die Überbevölkerung als Ursache und die Mangelversorgung als Folge, wird es ungleich schwieriger, denn dann kommen Werte ins wanken.

Der Überbevölkerung selbst zu begegnen, setzt voraus, zwei simple Fakten anzuerkennen, bei denen sich allerdings der Magen krampft und die Nackenhaare aufstellen: Die Erde ist endlich groß und kann nur endlich viele Menschen ernähren. Wie viele Milliarden dies letztens sind, hängt zwar irgendwo von der Produktivität ab, aber selbst die gerechteste Verteilung ändert nichts daran, dass diese Grenze bei einer anhaltenden Zuwachsrate überschritten wird oder bereits überschritten ist. Diesen Zuwachs zu stoppen heißt aber auch, es müssen weniger Menschen geboren werden als Menschen sterben. Oder zumindest gleich viele, um allerwenigstens in eine Stagnation zu kommen. Mir persönlich erscheint ein Geburtenrückgang erträglicher als abwenden und sterben lassen. Gerade die katholische Kirche tut sich anhaltend schwer in diesem Denkprozess. Wächst die Bevölkerung ungebremst weiter, wird es wohl zu Katastrophen kommen, gegen die die Situation derzeit nur ein schwacher Vorgeschmack ist.

Die Kriege, die in Afrika toben, drehen sich nicht um irgendwelche Weltanschauung oder Öl, sondern es geht um das nackte Überleben. Das erklärt zwar die unmenschliche Grausamkeit, mit der diese Kriege geführt werden, vermindert aber nicht die Unerträglichkeit. Zu wissen, dass dies auch durch eine verfehlte Politik während des kalten Krieges verursacht wurde, in der die so genannte „Entwicklungshilfe“ zum Schaukampf zweier Großmächte verkommen ist, macht es auch nicht gerade leichter.

Es bleibt, wenn überhaupt lösbar, hinreichend schwierig. Trotzdem sollte man sich nicht entmutigen lassen und es wenigstens versuchen. Es gibt zum Glück mittlerweile zahlreiche Projekte, die sorgsam auf eine nachhaltige Verbesserung zielen und ausdauerndes Engagement zeigen. Es bleibt allerdings noch der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Ich hoffe, die Aufmerksamkeit der BILD-Leser ist nicht so kurzlebig wie das „historische Dokument“ und sie sehen ein wenig am Blendlicht der „Sensationen“ vorbei und wandeln die punktuelle Betroffenheit in dauerhaftes Engagement.

Wenn man morgens den Augen nicht glaubt

1. Juni 2007 - 9:21 Uhr

Irgendwo schon merkwürdig. Da setzt man sich morgens an den Computer, liest ein paar Nachrichten über dies und das. Ab und an folgt bei mir dann ein kurzer Kontrollblick zur BILD Zeitung, warum wieder ein paar Möchtegern-Prominente wichtiger sind als alles andere. Heute habe ich meinen Augen nicht getraut, als die Seite plötzlich im üblichen Bild erschien aber mit ganz anderen Inhalten.

bild01062007.jpgDes Rätsels Lösung: Bob Geldof hat für einen Tag die Chefredaktion übernommen und die Armut in Afrika als Thema des Tages adressiert.

Da mir dieses Thema am Herzen liegt, mag ich momentan nur über die Reichweite dieser Aktion nachdenken und gehe nicht auf die Suche nach dem Haar in der Suppe.

Ich bin mal gespannt, ob dies auf Dauer Einzug hält, oder ob morgen schon wieder alles beim alten ist und das ganze wie ein Traum nachwirkt.

Doch noch was gewonnen

31. Mai 2007 - 10:14 Uhr

Auch wenn der sportliche Erfolg der Bayern in dieser Saison eher mäßig war, haben sie es immerhin geschafft, dieses Jahr die Fairplay-Wertung zu gewinnen.

Bei der Fairplay-Wertung fließen neben den Gelben, den Gelb-Roten und Roten Karten auch „weiche Kriterien“ in die Beurteilung ein. Nach UEFA-Richtlinien gehören dazu das Auftreten der Mannschaften gegenüber Gegner und Schiedsrichter-Gespann sowie das Verhalten der Mannschaftsoffiziellen und der Fans.

Auch schön :-).

Wie krank ist das denn?

29. Mai 2007 - 19:25 Uhr

Da bleibt mir eigentlich nur noch ein heftiges Kopfschütteln. FAZ.NET berichtet über das neueste Fernsehvorhaben von Endemol in den Niederlanden:

Im Jugendsender BNN sollen am kommenden Freitag drei nierenkranke Patienten vor laufender Kamera um eine Spenderniere kämpfen, die eine sterbende Frau ausgelobt hat. Derjenige der drei jungen Kandidaten, der die Sympathie der siebenunddreißigjährigen Lisa, der Spenderin, gewinnt, bekommt das begehrte Organ.

Ich kann mir es eigentlich nur so erklären, dass die Verantwortlichen mit gutem Beispiel voran gegangen sind und ihr Hirn gespendet haben.

Arme Jungs

28. Mai 2007 - 17:22 Uhr

Unter dem Titel „Das Leiden der jungen Männer“ zeichnet Franz Walter ein erstaunliches Bild unter Bezug auf die Studie „20-Jährige Frauen und Männer heute„.

Während die jungen Damen optimistisch und vergnügt in die Zukunft blicken, geben sich die Jungs eher pessimistisch und geprägt von Versagensängsten, nicht nur im beruflichen Rahmen sondern auch im Verhältnis zur Damenwelt. Schlimmer noch: Sie sehen sich als Opfer der Entwicklung und in der passiven Rolle. Zitat aus der Studie:

Die Männer sind mit Blick auf die Zukunft unsicher, welche Rolle(n) Frauen von ihnen erwarten und sehen sich unter dem Druck, die unterschiedlichsten Facetten von Mann-sein spielen zu können. Die Männer sehen sich unter hohem Performance-Druck. Sie können und sollen heute auf alle Ansprüche flexibel reagieren: Sie sollen Frauen- Versteher, durchtrainierter Macho, Kinderwagen schiebender Papa oder Karrieretyp sein. Das Dilemma ist: Egal, für welche Rolle sie sich entscheiden, der Erfolg (v.a. in der Partnerschaft) ist ihnen nicht garantiert. Im Gegenteil: Männer heute befürchten, dass in Wahrheit die Frauen die wichtigen Entscheidungen fällen und sie, die Männer, gar nicht mehr brauchen. Es bestehen große Ängste, einmal „von der Partnerin sitzengelassen zu werden“ (Passivform!), ohne etwas objektiv falsch gemacht zu haben. Partnerschaft ist für die jungen Männer heute ein Wagnis, das sie sicher eingehen werden: Aber im Unterschied zu früher ist Partnerschaft für Männer mit gestiegenen Anforderungen verbunden – und trotzdem unkalkulierbar und mit ungewissem Ausgang.

Wie konnte es nur so weit kommen? Ich rate einfach mal ganz mutig, dass dies an der Männerbewegung der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts liegt. Wem diese Bewegung unbekannt ist, hat recht, denn sie hat in dieser Form nie stattgefunden. Während sich die Frauenbewegung zu Recht neue Rollen und deren gesellschaftliche Anerkennung erstritten hat, blieb Mann dabei eher passiv im Weg stehen, statt im Diskurs auch für Männer neue Rollen zu beanspruchen und gesellschaftlich zu etablieren. Natürlich steht heute auch der gesamte Spielraum abseits des „Habe Feuer gemacht und Bären erlegt“ offen, aber eine aktive gesellschaftliche Verankerung und Anerkennung ist halt bisher kaum erfolgt. Wohl eher eine selbstverschuldete Situation, wenn Frauen die gesamte Bandbreite aller Rollen charmant spielen können, während Mann immer noch im tradierten Bild gefangen ist.

Politisch korrekt und modern ist heute ein Mann, der selbstverständlich bereit ist und die intrinsische Motivation hat, die Erziehung seiner Kinder aktiv mitzugestalten, dafür auch zu Hause bleiben würde, sich die Erziehungszeit mit seiner Partnerin zu teilen, auf eigene ehrgeizige Berufsambitionen zugunsten der Famlie zu verzichten und eventuell teilzeit zu arbeiten.

Gleichzeitig erleben die jungen Männer, dass im Freundeskreis und in der Gesellschaft das traditionelle Männerbild die Erwartungen an sie prägt: Der Mann als Macher und Entscheider; stark, zielstrebig, taff, erfolgreich, nach Macht und Ansehen strebend – gleichzeitig aber entspannt, cool, locker, selbst im größten Streß gelassen.

Was denn nun? Sollen sie erst steile Karriere machen, um nach der Geburt eines Kindes alles selbstlos aufzugeben – mit dem nicht geringen Risiko, bei anderen (erfolgreichen) Männern als „Weichei“ dazustehen; später doch von ihrer Partnerin verlassen zu werden (hohe Scheidungsraten lassen solches vermuten), die sie dann auch noch finanzieren müssen (womit, wenn sie vorher ihren gut bezahlten Job aufgeben haben)?

You have to fight for your right to be a Weichei ;-).