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Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

16. Mai 2007 - 17:09 Uhr

Häufig wird diese Frage gestellt, um festzustellen, ob der Befragte eher eine optimistische oder pessimistische Sicht der Dinge hat. Ist diese Frage eigentlich richtig gestellt, wenn sie schon die Antworten in sich trägt und eigentlich nur zwei Sichtweisen erlaubt?

Ich denke, die Frage müsste eher lauten „Genügt dir ein halbes Glas Wasser?“ Und da komme ich nicht umhin, aus dem jetzt und hier immer neu zu antworten. Momentan ist es regnerisch, ich sitze gemütlich am Schreibtisch – da genügt mir ein halbes Glas vollkommen. Wenn ich mich im Hochsommer körperlich betätige, reicht das eher nicht.

Dann ist es aber auch von Interesse, ob dies nun eine tatsächliche Beschränkung ist, oder ob ich das nur so wahrnehme. Den momentanen Zustand des Glases kann ich womöglich auch ändern und nachfüllen. Die Grenze liegt also nicht am Füllstand des Glases, sondern an der Menge Wasser, die ich beanspruchen kann oder darf.

Ist ein „Nein“ ein Eklat?

12. Mai 2007 - 12:00 Uhr

Unisono wird Sigmar Gabriels Weigerung, das Schlussdokument der 15. Sitzung der Kommission für Nachhaltige Entwicklung (CSD) zu unterzeichnen, als „Eklat“ dargestellt. Zum einen ist die Bindung an seine Person etwas unscharf, denn er handelte im Namen der EU, und auch die EU-Vertreter standen mit ihrer Kritik nicht alleine.

Warum soll denn eine Einigung unterzeichnet werden, wenn keine Einigung erzielt wurde? Sicher, gerade die Armutsländer (ich mag den Begriff „Entwicklungsland“ nicht, denn dies täuscht über die zunehmende Verarmung in vielen Ländern hinweg) haben Gründe, alleine schon aus dem Machbaren heraus den Vorschlägen nicht zu folgen, von einem Gefühl der Bevormundung ganz zu schweigen. Aber wenn man sich die Liste der teilnehmenden Länder anschaut, stehen dort auch Staaten drin, denen eine Lockerung der Vereinbarungen gerade mal bequem ist.

Recht schockiert war ich auch über den Schlusssatz in der Meldung bei tagesschau.de, zum Einspruch gegen den nächsten Vorsitzenden aus Simbabwe:

Der simbabwische UN-Botschafter Boniface Chidyausiku sagte hingegen dem Sender BBC, nachhaltige Entwicklung habe nichts mit Menschenrechten zu tun.

Drei Dinge zusammengefasst

11. Mai 2007 - 19:20 Uhr

Irgendwie gehören die Dinge „Billigfernsehen„, „Bild„, und „Blogkritik“ ja schon ein wenig zusammen.

Sicher, in jedem Medium findet man wichtige und interessante Informationen, aber auch recht viel Belangloses. Als „Mikromedium“ kann ich mich da ja von der Kritik nicht ausnehmen, und auch nicht als Konsument von Information. Irgendwo hat ja das Banale schon so seinen Reiz. Aber es hat für mein Empfinden doch quer durch die Medien erheblich zugenommen. Ab und an könnte man wirklich meinen, die Erde dreht sich nicht um die Sonne sondern das Universum um Dieter Bohlen und Knut.

Schon Johann Wolfgang von Goethe hat erkannt

Getretener Quark wird breit, nicht stark.

Manchmal habe ich das Gefühl, diese Flut an Information verstellt den Blick zu den eigentlichen Fragen.

Nehmen wir die Vorbereitungen zum G8 Gipfel. Es ist sehr leicht momentan Tonnen an Artikeln zusammenzutragen, ob die Maßnahmen nun berechtigt sind, wie viele Polizisten und Soldaten dafür abgestellt sind, was das kostet, welche Aktionen von wem wann geplant sind und so weiter – in mehrfacher Ausfertigung pro und kontra.

Wieso aber entsteht so viel Wut, wenn sich die Staatsoberhäupter der führenden acht Nationen treffen?
Wo liegt die Lösung dieses Konflikts?

Orwell 2007?

11. Mai 2007 - 0:59 Uhr

In Orwell’s Roman „1984“ wird ein Bild eines totalitären Staates gezeichnet, in dem die Bürger rund um die Uhr überwacht werden (in heutiger Sprache: 24/7). Dies lässt sich nur durch einen permanenten Angstzustand erreichen. Auf der einen Seite befindet sich „Ozeanien“ immer im Kriegszustand mit ständig wechselnden Bündnissen, was eine äußere Angst erzeugt und auf der anderen Seite eine innere Angst, die durch den Staat selbst mit gezielter Desinformation verursacht wird und zu einem Misstrauen der Bürger untereinander führt. Das Vertrauen wird schon im Keim erstickt. Selbst der Gedanke an Kritik steht unter Strafe.

Was hat das Ganze mit uns zu tun? Wir schweben scheinbar in ständiger Gefahr Ziel terroristischer Anschläge zu werden. Wirklich? Gestern waren es Islamisten und heute kommt die gewaltbereite Linke als Wiedergänger zurück. Ganz von Geisterhand. Plötzlich wollen alte RAFler Begnadigung, die Presse berichtet und schon formieren sich die alten Staatsfeinde wieder neu. Sorry, wer glaubt denn sowas? Und was möchte unser guter Herr Schäuble tun? Erst mal alles überwachen. Kein Rechner soll mehr vor ihm sicher sein. Mal Hand aufs Herz: Glaubt wirklich jemand, dass, falls sich Herr Schäuble mit diesem Gedanken durchsetzt, zuerst einmal ein paar Entwickler anfangen nachzudenken, wie man dies umsetzen kann? Oder gibt es das schon, allerdings ohne rechtlichen Rückhalt?

Die Hersteller von Antivirensoftware sollen ein „Hintertürchen“ lassen für die Spionage-Software. Sorry Herr Schäuble, auf welchem Planeten leben Sie? Ich nenne meinen Erde. Und da gibt es ein paar Länder mehr als Deutschland, auch solche, die nicht gerade politisch auf Kuschelkurs liegen. Auch dort gibt es Software-Entwickler. Glauben Sie wirklich, ein Mensch mit terroristischen Ambitionen kauft sich unter diesen Umständen im Elektro-Discounter um die Ecke dann seine Sicherheits-Software? Die landet eher bei unbescholtenen Bürgern. Und wie lange dauert es, bis Hacker dieses Hintertürchen finden und sich fleißig bedienen? Wie kann ein Mensch nur so kurz denken?

Ach ja, gewalttätige Jugendliche sind kein Problem. Der Anstieg ist nur eine Folge der Anzeigebereitschaft der Bevölkerung. Jedenfalls im engen Denken des Herrn Schäuble. Nach Ursachen fragt sowieso niemand. Ich frage mich nur, warum man bei der Präsentation einer Kriminalstatistik, bei der es sich ja im weiteren Sinne um die Darstellung von Verbrechen handelt, in die Kamera grinsen muss. Rein marketing-technisch hätte ich zu einer sorgenvollen Mine geraten.

Zu einem sinnvollen Konzept gegen rechte Denkanalphabeten habe ich leider keine entsprechenden Links gefunden.

Dieser Beitrag enthält eine gewisse Spur an Ironie und deren buckligen Bruder Sarkasmus. Man möge mir verzeihen ;-)

Alle Achtung, Herr Sarkozy

9. Mai 2007 - 16:29 Uhr

Es ist schon beachtlich, mit welcher Präzision Sarkozy schon wenige Tage nach der Wahl für Unruhe sorgt. Die französische Presse zeigt sich irritiert. Nun, es ist dem Mann zu gönnen, dass er sich nach dem harten Wahlkampf einige Tage Ruhe gönnt. Aber gleich auf die Yacht eines befreundeten Großindustriellen? Nach eigenen Angaben wurde ihm das schon zwanzig Jahre lang angeboten und er habe dies zwanzig Jahre lang abgelehnt. Schlechter hätte er den Zeitpunkt nicht wählen können nun doch anzunehmen.

Und zuhause in Frankreich? Da gibt es schon seit drei Nächten wieder Ausschreitungen. Da gibt es noch viel zu tun …


>> tagesschau.de

>> SPIEGEL ONLINE
>> Le Monde

Odyssee in Saarbrücken

8. Mai 2007 - 0:14 Uhr

Ich war heute ganz mutig. Seit langem habe ich mich mal wieder dem öffentlichen Nahverkehr in Saarbrücken anvertraut. Warum mutig? Seit Beginn des Jahres galt ein neuer Fahrplan, der vollkommen neu ausgearbeitet wurde. Alle Linien bekamen neue Nummern. Die Saartal-Linien stellten von zwei- auf dreistellige Nummern um. Dabei wurde aber peinlich genau darauf geachtet, dass man an der neuen Zuordnung bloß nicht die alte Wegstrecke erkennt.

Das war auch nötig, denn in den letzten 50 Jahren haben sich immerhin fast 50 Linien entwickelt. Mit den neuen Nummern ist man also für das Jahr 2057 wohl gerüstet. Vielleicht ist es aber nur das Vortäuschen von Größe … ;-).

Der neue Fahrplan stellte sich nur all zu schnell als „planlos“ heraus und wurde mit Wirkung zum 1. Mai noch einmal umgestellt. Es wurde besonderen Wert auf besseren Anschluss gelegt – so die Werbung.

Na gut, so habe ich es denn heute gewagt. Als erstes fiel mir beim einsteigen der etwas mitleidige Blick des Fahrers auf, als ich mein Begehr zur Beförderung in die Innenstadt äußerte und ein Zweieurostück hinlegte. „Zweizehn“ schalmeite es mir entgegen und ich war als Tarif-Unkundiger entlarvt. Nun denn, noch einmal nachgekramt und los geht es.

Am Römerkastell (für alle Nicht-Saarbrücker: einer der Drehpunkte im Saarbrücker ÖPNV) überraschte mich der neue Fahrplan. Ja, die Saarbahn war noch nicht längst weg wie früher. Ich durfte sie aus dem Bus heraus beim abfahren bewundern. Der Bus war übrigens sehr pünktlich – es gehört zum Plan.

Also sieben Minuten Wartezeit, Saarbahn, Nauwieser Viertel, drei Bierchen, ab nach Hause.

Welcher Komiker hat sich eigentlich die neuen Automaten an den Saarbahnhaltestellen ausgedacht? Ja, man kann nun Fahrkarten bis Neunkirchen (Nahe !!!!!) an dem Automaten lösen, aber der Tarif „Einzelfahrschein Stadt“, der wahrscheinlich 80% des Geschäfts ausmacht, benötigt ein genau so exaktes Studium des Automaten. Mir ist jedenfalls bei der Erstbenutzung die gerade ankommende Saarbahn vor der Nase weg gefahren.

Aber ich weiß es ja jetzt: eins-eins-eins, Einzelfahrschein Erwachsene (die Beleuchtung ist immer noch schlecht – ich weiß aber zweite Taste von oben), Fahrschein, ärgern über den Preis – warten.

Am Römerkastell freue ich mich auf den besseren Anschluss. Pustekeks! Es ist 22:35 – ich betrachte das nicht als unchristliche Zeit – fährt der nächste Bus in meine Richtung (und das ist die Hauptrichtung) erst um 22:57.

Wenn ich nicht dieses vollkommen überteuerte Ticket in der Tasche hätte, würde ich jetzt gemütlich nach Hause laufen, fünf Minuten warten und von meinem Fenster kopfschüttelnd dem Bus entgegensehen. Nun ja, bezahlt ist bezahlt und so warte ich.

Dabei fällt mein Auge auf den Fahrplan einer der neuen tollen Linien und diesen Witz:

Fahrplan - vorläufig

Leider hatte ich nur mein Mobiltelefon dabei und mit Blitz sieht man es noch schlechter:

Die Linie 152 fährt ausschließlich Sonntag Morgen um 6:39 sonst wirklich nie. Bei so einer Granularität braucht es tatsächlich dreistellige Liniennummern.

Sarkozy jetzt in der Pflicht

7. Mai 2007 - 10:51 Uhr

Unsere Nachbarn haben entschieden. Nicolas Sarkozy wird Frankreichs neuer Staatspräsident. Nun wird er zeigen müssen, dass er nicht nur polarisieren, sondern auch einigen kann. Nun, wir werden es sehen. Ich kann mich jedenfalls noch nicht zu einem Glückwunsch überwinden.