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Im Kopf festgesetzt

7. Juni 2007 - 23:24 Uhr

Seit diesem Artikel hat sich bei mir der Titel „All the same“ von Sick Puppies irgendwo einen Ehrenplatz in den „All Time Charts“ erobert. Für Freunde der etwas kraftvolleren Rock-Gangart ein durchaus empfehlenswerter Tipp. Ab und an kommt es ja vor, dass ein einzelnes Lied nur ein einsamer Lichtblick in einem mittelmäßigen Album ist, aber „Dressed up as Life“ lässt einen sehr gefälligen Gesamteindruck zurück.

Wie krank ist das denn?

29. Mai 2007 - 19:25 Uhr

Da bleibt mir eigentlich nur noch ein heftiges Kopfschütteln. FAZ.NET berichtet über das neueste Fernsehvorhaben von Endemol in den Niederlanden:

Im Jugendsender BNN sollen am kommenden Freitag drei nierenkranke Patienten vor laufender Kamera um eine Spenderniere kämpfen, die eine sterbende Frau ausgelobt hat. Derjenige der drei jungen Kandidaten, der die Sympathie der siebenunddreißigjährigen Lisa, der Spenderin, gewinnt, bekommt das begehrte Organ.

Ich kann mir es eigentlich nur so erklären, dass die Verantwortlichen mit gutem Beispiel voran gegangen sind und ihr Hirn gespendet haben.

Arme Jungs

28. Mai 2007 - 17:22 Uhr

Unter dem Titel „Das Leiden der jungen Männer“ zeichnet Franz Walter ein erstaunliches Bild unter Bezug auf die Studie „20-Jährige Frauen und Männer heute„.

Während die jungen Damen optimistisch und vergnügt in die Zukunft blicken, geben sich die Jungs eher pessimistisch und geprägt von Versagensängsten, nicht nur im beruflichen Rahmen sondern auch im Verhältnis zur Damenwelt. Schlimmer noch: Sie sehen sich als Opfer der Entwicklung und in der passiven Rolle. Zitat aus der Studie:

Die Männer sind mit Blick auf die Zukunft unsicher, welche Rolle(n) Frauen von ihnen erwarten und sehen sich unter dem Druck, die unterschiedlichsten Facetten von Mann-sein spielen zu können. Die Männer sehen sich unter hohem Performance-Druck. Sie können und sollen heute auf alle Ansprüche flexibel reagieren: Sie sollen Frauen- Versteher, durchtrainierter Macho, Kinderwagen schiebender Papa oder Karrieretyp sein. Das Dilemma ist: Egal, für welche Rolle sie sich entscheiden, der Erfolg (v.a. in der Partnerschaft) ist ihnen nicht garantiert. Im Gegenteil: Männer heute befürchten, dass in Wahrheit die Frauen die wichtigen Entscheidungen fällen und sie, die Männer, gar nicht mehr brauchen. Es bestehen große Ängste, einmal „von der Partnerin sitzengelassen zu werden“ (Passivform!), ohne etwas objektiv falsch gemacht zu haben. Partnerschaft ist für die jungen Männer heute ein Wagnis, das sie sicher eingehen werden: Aber im Unterschied zu früher ist Partnerschaft für Männer mit gestiegenen Anforderungen verbunden – und trotzdem unkalkulierbar und mit ungewissem Ausgang.

Wie konnte es nur so weit kommen? Ich rate einfach mal ganz mutig, dass dies an der Männerbewegung der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts liegt. Wem diese Bewegung unbekannt ist, hat recht, denn sie hat in dieser Form nie stattgefunden. Während sich die Frauenbewegung zu Recht neue Rollen und deren gesellschaftliche Anerkennung erstritten hat, blieb Mann dabei eher passiv im Weg stehen, statt im Diskurs auch für Männer neue Rollen zu beanspruchen und gesellschaftlich zu etablieren. Natürlich steht heute auch der gesamte Spielraum abseits des „Habe Feuer gemacht und Bären erlegt“ offen, aber eine aktive gesellschaftliche Verankerung und Anerkennung ist halt bisher kaum erfolgt. Wohl eher eine selbstverschuldete Situation, wenn Frauen die gesamte Bandbreite aller Rollen charmant spielen können, während Mann immer noch im tradierten Bild gefangen ist.

Politisch korrekt und modern ist heute ein Mann, der selbstverständlich bereit ist und die intrinsische Motivation hat, die Erziehung seiner Kinder aktiv mitzugestalten, dafür auch zu Hause bleiben würde, sich die Erziehungszeit mit seiner Partnerin zu teilen, auf eigene ehrgeizige Berufsambitionen zugunsten der Famlie zu verzichten und eventuell teilzeit zu arbeiten.

Gleichzeitig erleben die jungen Männer, dass im Freundeskreis und in der Gesellschaft das traditionelle Männerbild die Erwartungen an sie prägt: Der Mann als Macher und Entscheider; stark, zielstrebig, taff, erfolgreich, nach Macht und Ansehen strebend – gleichzeitig aber entspannt, cool, locker, selbst im größten Streß gelassen.

Was denn nun? Sollen sie erst steile Karriere machen, um nach der Geburt eines Kindes alles selbstlos aufzugeben – mit dem nicht geringen Risiko, bei anderen (erfolgreichen) Männern als „Weichei“ dazustehen; später doch von ihrer Partnerin verlassen zu werden (hohe Scheidungsraten lassen solches vermuten), die sie dann auch noch finanzieren müssen (womit, wenn sie vorher ihren gut bezahlten Job aufgeben haben)?

You have to fight for your right to be a Weichei ;-).

Das Heer der Scheinheiligen

25. Mai 2007 - 12:04 Uhr

Ach, wie sind wir die ganze Zeit betrogen worden. Die bösen Buben auf zwei Rädern haben uns die ganze Zeit über angelogen. Da vergisst sogar Wolle Schäuble einen Tag uns vor bösen Terroristen zu schützen und vehement für strengere Anti-Doping-Gesetze einzutreten. Ändert das wirklich etwas?

Die Medien überschlagen sich vor Empörung, was zunächst mal eines bringt: Auflage, Quote, Geld. Da fordert Hajo Seppelt Jan Ullrich auf, endlich mit der „Doppelmoral und Heuchelei“ aufzuhören. Und endet in Selbstkritik:

Ich weiß nicht, ob wir es als Berichterstatter in den Medien künftig wirklich schaffen werden, die nötige Distanz zu wahren und genügend Kraft aufzubringen, nachhaltig zu recherchieren, auch dann, wenn wir uns damit keine Freunde machen. Aber zumindest wäre heute der richtige Tag des Neuanfangs nicht nur im Radsport, auch für uns Sportjournalisten.

Ich dachte ein „nachhaltiges Recherchieren“ sei ohnehin die Aufgabe eines Journalisten.

Dürfen wir uns jetzt auf eine Enthüllungswelle in den Medien freuen? Kommen jetzt Schlagzeilen „Bild enthüllt: Ja, wir haben nur die halbe Wahrheit geschrieben“, sehen wir dann in Tränen aufgelöste Journalisten, die gestehen, dass sie unter dem Druck der Schlagzeile die Realität verbogen haben? Ich habe meine Zweifel.

Ich kann mich noch recht gut an Interviews mit Jan Ullrich am Anfang seiner Karriere erinnern. Er hat immer versucht, den Erwartungsdruck zu mindern und appeliert „lasst mich doch einfach Radfahren“. Irgendwie schien er ein wenig zu schüchtern und bescheiden für dieses Geschäft. Er wollte nie das große Vorbild sein, das man jetzt von ihm fordert. Aber in den Medien wurde er nach seinem sensationellen zweiten Platz 1996 schon vorweg der kommende Tour-Sieger und 1997 auf Jahre hinweg als unschlagbar erklärt. Es ist schon ein wenig unfair einen Menschen zu verurteilen, weil er einem Druck nachgibt, den andere aufgebaut haben.

Wenn sich Saubermänner schmutzig machen

24. Mai 2007 - 21:13 Uhr

Immer mehr Radprofis und Ärzte gestehen derzeit ein, gedopt zu haben oder Doping unterstützt zu haben. Es ist natürlich leicht sich jetzt in eine „ich hab das doch schon immer gewusst“ Pose zu werfen.

Natürlich hat das jeder gewusst. Es ist schon ein wenig naiv zu glauben, dass die Leistungssteigerung in den letzten Jahren nur auf ausgefeilte Trainingspläne und verbessertes Material zurückzuführen ist. Kommt halt auch darauf an, ob man diese Seite auch sehen will. Viele Zuschauer sind wohl eher durch die Erfolge eines Jan Ullrich zum Radsport gekommen als durch eine grundsätzliche Begeisterung für diesen Sport. Und diese Zuschauer sind halt nur durch Erfolge zu halten, sonst ziehen sie weiter, dahin wo der nächste Erfolg ist. Wie viele Zuschauer hatte Handball in den letzten Jahren?

Es wäre vielleicht auch an der Zeit, dass sich auch mal Menschen wie Herr Prudhomme die Hand vor den Augen wegnehmen. Wenn er davon spricht, das „System“ zu stürzen, kann er sich ja wohl schwerlich davon ausnehmen. Dann bedeutet eine „saubere“ Tour auch eine langsamere Tour oder eine mit wesentlich mehr „Aussteigern“. Aber so lange die Leistungen, die mit chemischer Hilfe erzielt wurden, das Maß aller Dinge sind, bleibt der Wunsch wohl unerfüllt.

Vielleicht ist es ja ganz gut, dass sich Jan Ullrich in Schweigen gehüllt hat. Zumindest der „Betrug an der Mannschaft“ kann so wohl nicht mehr bestehen bleiben. Bestenfalls wenn er heimlich seine Mittelchen abgesetzt hat. Noch ein, zwei Monate, und er wird wohl nur einer von Vielen sein und nicht mehr der große Buhmann. Es war ja schon skurril: Ein paar Tage vor der Tour zerrt jemand einen Blutbeutel mit der Riesenaufschrift „Jan“ hervor. Das sieht sogar mit einigem Abstand noch immer nicht nach einem „Fund“ sondern nach Inszenierung aus.

Ich bezweifele nicht, dass auch Jan Ullrich gedopt hat, wann auch immer. Aber langsam wird wohl klar, dass er nur ein schwarzes Schaf unter vielen war. So langsam wird das scheinheilige Moralgetue zum Bumerang.

Ein trauriges Bild

19. Mai 2007 - 9:28 Uhr

Nein, wenn ich auf Nachrichten aus Israel/Gaza Streifen stoße, will ich keine Partei annehmen. Es überkommt mich nur ein sehr, sehr trauriges Gefühl. Wie kann es sein, dass in einem Landstrich, der drei der großen Weltreligionen heilig ist, so viel Hass entsteht? Ich könnte es noch irgendwo nachvollziehen, wenn Uneinigkeit herrschen würde, welcher Gott dies nun sei. Aber dies ist hier nicht gegeben. Ich wertschätze, dies sei vermerkt, auch alle andere Religionen, die eben nicht auf dieses Fundament bauen. Hier geht es aber um den „einen“ Gott, der diese drei Religionen verbindet. Ich gebe ihm aus gutem Grund keinen Namen.

Wo steht dieser Hass geschrieben? Wo ist das Gebot „Du sollst hassen wer nicht so glaubt wie Du“?

Wann überwinden die Menschen ihren Hass?

Zweimal Schweden

17. Mai 2007 - 22:11 Uhr

Heute sind mir gleich zwei Berichte über das sympathische Land in Skandinavien vor die Füße gelaufen.

Transparenz als Grundpfeiler der Demokratie

In dem Artikel des Deutschlandsfunks wird die Einstellung der Schweden zum Thema „Gläserner Bürger“ dargestellt, die wohl weit offener ist, als hier in Deutschland. Dort gibt es zwar ebenfalls kritische Stimmen, aber die Diskussion scheint wesentlich unaufgeregter. Dies mag auch auch an einer traditionellen Offenheit des Staates gegenüber dem Bürger liegen.

Seit 1766 gilt im Königreich das in der Verfassung verankerte Öffentlichkeitsprinzip, das den Bürgern bis heute Zugang und Einsicht in sämtliche Verwaltungsdokumente ermöglicht.

Das scheint mir ein vollkommen anderer Zugang zu der Materie zu sein. Zum einen wird ein hoher Nutzen für den Einzelnen definiert und auch gelebt, zum anderen ist „die andere Seite“ in gleicher Form transparent. Auch in Schweden möchte man gerne den Datenverkehr unter die Lupe nehmen. Aber auch hier wird ganz klar und deutlich das Ziel und der Rahmen der Nachforschung genannt.

Niemand wird mit dem Kopfhörer dasitzen und Gespräche belauschen. Wir wollen mit automatischen Suchbegriffen einen sehr kleinen Teil der Informationen aus dem netz herausfiltern. Da geht es nicht um „Al-Qaida“, „Bin Laden“ und „Dynamit“. Wir suchen vielmehr ganz gezielt nach Decknamen, Codewörtern und anderen Aktivitäten, auf die uns befreundete Dienste hinweisen. Kein unbescholtener Bürger muss Sorge haben, dass der Geheimdienst seine E-Mails liest.

Vielleicht sollte Herr Schäuble einmal Urlaub in Schweden machen …

Der zweite Artikel hat durchaus einen etwas skurrilen Charakter, gefunden bei tagesschau.de:

Umweltfreundlich bis nach dem Tod

Unsere schwedischen Freunde machen sich anscheinend auch über das eigene irdische Leben hinaus Gedanken, wie man die Umwelt schonen kann. Mir ist allerdings die Energiebilanz zur Herstellung flüssigen Stickstoffs gerade nicht zur Hand ;-).