Wenn Wichte wichtig werden wollen

3. September 2010 - 15:03 Uhr

Eigentlich hat es ja schon auch etwas Lustiges, wenn ich mich hier ein wenig rar gemacht habe und mich dann zu einem Thema zurückmelde, das mir eigentlich kein Wort wert wäre, wenn es nur nicht so unerträglich viel Raum einnehmen würde.

Da steht bildlich gesprochen so ein kleiner Wicht vor mir, der einen lustig arabisch klingenden Namen trägt. Das ist ja nichts Schlimmes, der Wicht hat sich ja nur zum Teil selbst gebastelt. Dieser Wicht rechnet mir in arabischen Zahlen vor, dass der Islam eigentlich ganz schön böse ist. Dann schau ich ihn kurz an und frage mich, ob das als Witz gemeint war, lächle kurz und gehe weiter, weil es wichtigere Dinge in dieser Welt gibt.

Doch dieser kleine Wicht kommt dann noch mal zurück und schwurbelt mir etwas von Genen und Intelligenz vor und kommt dann zu dem Schluss, dass das ja irgendwie ganz eng zusammenhängt. Da müsse man sich auch mal drum kümmern. Das wäre wichtig. Dann überlege ich mal ganz kurz und entdecke, dass ich da mal so eine Zeit lang an einer Universität um diese Themen gekreist bin und es eigentlich ganz anders ist, als mir dieser kleine Wicht sagt. Da werde ich schon ein wenig ungehaltener und sage zu dem Wicht: „Du redest wirr, ordne deine Gedanken und lass mich bitte damit in Ruhe.“

Dieser kleine nervige Wicht kommt dann aber wieder zurück und faselt mir etwas von einem Land vor. Und dass dieses Land doch wichtig sei und das es ihm um eben dieses Land gehe. Dann fahre ich gedanklich als so genannter Saarländer mit meinem Auto auf der Autobahn Richtung Forbach, einem kleinen Fleckchen in einem anderen Land, kaum zwei Steinwürfe entfernt, wenn ich denn Steine werfen wollte. Da komme ich dann an einer Stelle vorbei, an der ich langsamer fahren soll. Da gab es nämlich früher einmal eine Grenze, an der sich Menschen spinnefeind gegenüberstanden, weil da so ein paar Wichte meinten, sie müssten sich wegen dieser Grenze und deren Verlauf die Köpfe einschlagen. Dann fahre ich auch ganz bewusst langsam und denke an die vielen Menschen, die sinnlos für diese Wichte gestorben sind. Dass dies heute anders ist, finde ich ganz schön schön. Ansonsten bedeutet mir diese Grenze nicht mehr viel. Es ist eine Verwaltungskrimskramsabtrennung.
Dann muss ich auch daran denken, dass wir, bevor sich dieser kleine dumme Wicht so groß zu Wort gemeldet hat, über ein Land geredet haben, um das früher einmal wichtige Engländer Grenzen gezogen haben und in dem gerade Menschen sterben, weil ihnen eine Flut das Wenige, das sie zum Leben brauchten, weg gespült hat. Die geraten gerade aus dem Blick, weil vor allem über diesen Wicht gesprochen wird. Dann werde ich wütend auf die Wichte, die diesem kleinen dummen Wicht in den so genannten Massenmedien so viel Raum bieten und wirklich wichtige Dinge einfach liegen lassen. Mich kümmern eben Menschen und keine Grenzen und Wichte. Und ich weiß, dass ich da nicht alleine bin.

Und deshalb stelle ich mich vor diesen Wicht und sage ihm: „Kleiner dummer Wicht, du bist ein Störenfried, weil du den Frieden störst. Halt die Klappe!“

Es gibt wirklich wichtigere Dinge in der Welt als diesen Wicht. Das muss auch mal gesagt werden.

2 Kommentare zu “Wenn Wichte wichtig werden wollen”

  1. Inishmore meint:

    Ha, und ich habe just den ersten und einzigen positiven Aspekt am medialen Theater von und um den kleinen Wicht entdeckt: hier drin gibt es wieder einen neuen Beitrag. Und einen treffend formulierten noch dazu.


  2. Quintus meint:

    Vielen Dank für die Blumen :-).