Update aus dem Sommerloch

11. August 2009 - 17:41 Uhr

Als Blogger hat man es ja richtig gut. Man darf sich am Sommerloch beteiligen, muss es aber nicht. Ich muss mich noch nicht mal darüber beklagen. Hach, diese Freiheit sich ins kuschelige Leben 1.0 zurückziehen und eine kleine Geschichte bis zur Pointe reifen lassen zu können.

Alle Jahre begibt es sich wieder, dass man die Einkommenssteuererklärung dem Finanzamt zuteil werden lässt. Dieses Jahr sogar gerne, da eine Rückerstattung ins Haus steht. Ich weiß, ab und an bin ich etwas zu technophil und auf der anderen Seite bürokratisch blauäugig. Jedenfalls habe ich mich für die elektronische Übermittlung via ELSTER entschieden. Alleine der Name verheißt doch schon, dass es auch in Bürokratenkreisen einen Restfunken von Humor geben muss. Irgendwie dann doch sympathisch.

Nach kaum etwas mehr als einem Monat meldete sich dann Freitags per Telefon der zuständige Beamte und teilte mir mit, dass noch Unterlagen fehlen würden. Unter anderem die Umsatzsteuererklärung. Dieses war der leichteste Teil der Übung, da ich den Umsatzsteuerbescheid bereits erhalten hatte und dieses Fehlen wohl eher ein Fehler vom Amt war. Das Übertragungsprotokoll zeigte auch die anderen fehlenden Formulare als gesendet an. Nein, die hätte er nicht auf dem Schreibtisch. Nach kurzer Überlegung, ob es wirklich sinnvoll wäre, an dieser Stelle eine Diskussion über die Zuverlässigkeit der elektronischen Übermittlung zu führen, entschloss ich mich dem übrigens freundlichen Herrn die fehlenden Unterlagen per Schneckenpost zukommen zu lassen. Ich glaubte, den Fall nun abhaken zu können.

Sicherheitshalber rief ich dennoch eine Woche später an, ob denn nun alles seine Richtigkeit hätte. Ein ebenfalls sehr freundlicher Kollege teilte mir mit, dass Herr X derzeit – eben seit jenem Freitag – in Urlaub weilt. Über den Verbleib der Unterlagen könne er mir nichts sagen. Ob er denn wenigstens die über ELSTER übertragenen Daten noch mal prüfen könne (warum bin ich nicht schon vorher auf die Idee gekommen, dies zu fragen?), ob die denn wirklich unvollständig wären. Dies könne er bedauerlicherweise nicht, da diese zentral ausgedruckt und dann verteilt würden.

An dieser Stelle musste ich eine kurze Sprechpause einlegen. Ist „Internetausdrucker“ eigentlich schon Beamtenbeleidigung oder nur eine Feststellung? Und wenn es nur eine Feststellung ist, reicht es dennoch um langsam mahlende Mühlen noch einen Gang herunterzuschalten? Wie gesagt, ich erwarte ja eine Rückzahlung.

Ich müsse mich schon gedulden, bis der werte Kollege aus seinem dreieinhalbwöchigen Urlaub zurück käme. Es ist ja nicht so, dass ich jemandem seinen wohl wohlverdienten Urlaub missgönne, aber das Wort „Stellvertreter“ hüpfte ab und an in meinem Kopf auf und ab.

Aber Geduld ist mein zweiter Vorname, und so nahm ich es gelassen hin, dass der Kollege seinen Urlaub auf vier Wochen verlängert hat. Das fiel auch nicht sonderlich schwer, denn die (soll ich es nochmal betonen?) freundliche Kollegin des Kollegen hatte eine wunderbar angenehme Telefonstimme, die durchaus die Gesamtsituation ein wenig aufgeheitert hat.

Letzte Woche hatte ich nun das Vergnügen meinen Ansprechpartner Herrn X persönlich am Telefon zu haben. Es war natürlich nichts da. Diesmal nun die ultimative Lösung persönlich zum Finanzamt dackeln und die Formulare mit Vermerk „zu Händen Herr X“ bei der – jetzt kommt’s – nicht nur freundlichen, sondern auch ausgesprochen attraktiven Kollegin an der Rezeption abgegeben.

Heute dann die frohe Botschaft per Telefon, dass die Erklärung abgearbeitet sei. Keck und optimistisch wie ich nun mal bin, wagte ich die Prognose, dass wohl nun der Bescheid in den nächsten Tagen einginge. Leider musste der werte Herr X meinen Mut ein wenig mit den Worten kühlen: „Nein, das muss jetzt durch die maschinelle Verarbeitung, das kann so zwei bis drei Wochen dauern.“

Ich versuche mir seit heute Mittag Maschinenungetüme vorzustellen, die zyklisch Daten eintippen und ausdrucken bis am Ende etwas herauskommt, was dem Charme eines mit Schreibmaschine abgetippten Textes entspricht. Natürlich muss ständig geprüft werden, dass das Papier keinen Amtsschimmel ansetzt. Diese Maschine kann bestimmt auch „Bing“ machen.

Nächstes Jahr gebe ich garantiert meine Erklärung wieder persönlich ab. Die sind ja nett auf’m Amt. Neumodischer Schnickschnack. Pah!

Fortsetzung folgt hoffentlich nicht.

6 Kommentare zu “Update aus dem Sommerloch”

  1. Crossyard meint:

    Na dann drück ich mal die Daumen, dass die Maschinen schnell arbeiten und du von der erwarteten Rückzahlung die nette Amtsdame noch zu einem Cocktail einladen kannst… obwohl, demnächst (in Behördenzeit) ist ja wieder Weihnachtsmarkt und ein heißer Glühwein auch nicht zu verachten :)
    Grüße in die Heimat.


  2. Elke meint:

    Warum überrascht mich das alles nicht?!? Wie gut, dass du so geduldig zu sein scheinst ;-)

    Mit der archaischen Methode „Persönlich abgeben“ bin ich bisher auch ganz gut gefahren. Mal abgesehen von der diesjährigen Panne, dass mein Bearbeiter den Papierberg in seinem Aktenschrank begrub und dort großzügig vergaß …

    ELSTER: Eben Lieber Selber Trotzdem ERscheinen.


  3. Inishmore meint:

    Autsch, mit der Geschichte könntest du bei meinem ehemaligen eGovernment-Projektleiter für einen Kopfschüttelanfall sorgen. Aber mal ehrlich: wenn attraktive(!) und freundliche(!) Menschen in der Verwaltung(!) auch noch halbwegs aktuelle Telekommunikationsformen nutzen würden, wäre das Raum-Zeit-Vorurteils-Kontinuum doch gefährdet, oder?


  4. Quintus meint:

    @Crossyard: Mal sehen was sich da tun lässt. Braucht man da nicht die Anlage C zur Einladung auf einen Cocktail zur Ermittlung des Bestechungs- oder Befangenheitsausschlusses? ;-).

    @Elke: Da war doch was … ;-). Die Erklärung für ELSTER ist ja allerliebst :-D.

    @Inishmore: Man stelle sich doch nur den Anfangsdialog vor: „Schicken Sie mir doch gerade mal die Anlagen per E-Mail. – Ah ja, da sind sie ja. OK, der Bescheid geht heut noch raus.“ Das wäre doch nicht mehr DAS Finanzamt.


  5. Carmen meint:

    Was für ein Lesegenuss am frühen Morgen:-)
    Ich will dir ja nicht die Illusionen nehmen – und ein persönlicher Besuch ist auf jeden Fall … persönlicher und vielleicht läufst du dann ja auch wieder der attraktiven Dame über den Weg – ABER: ich habe dieses Jahr – auch auf eine Rückzahlung wartend – erst nach exakt 3 Monaten gemerkt, dass ich noch nicht mal die Belege zurück hatte. Ich hatte alles persönlich vor Ort abgegeben. Also angerufen. Meine Sachbearbeiterin hat dann im System nachgeschaut und BING gesehen, dass ich gar nichts abgegeben habe! Kein Eingang! Sie hatte sich zwar gewundert, dass ich etwas postalisch „nachgereicht“ hatte, aber deshalb muss man ja niemanden kontaktieren. Ich war in einem leichten Schockzustand. Auf Nachfrage hat man mir mitgeteilt, dass ich dann die Erklärung noch einmal machen und abgeben müsste. Das wäre dann natürlich ein vereinfachtes Verfahren, weil ich ja die Belege nicht mehr im Original hätte…
    Soweit ist es dann doch nicht gekommen. Die Beamtin hat sich auf die Suche gemacht und wurde in einem Nachbarschrank fündig. Die Unterlagen waren dann auch schon bearbeitet und sie hat mich sogar persönlich auf dem Handy angerufen. Und so konnte ich ein paar Stunden später in einen wunderschönen Urlaub fahren und wusste, dass das Geld, das ich dort ausgeben wollte, bald auf dem Konto ist. Alles wird gut…


  6. Quintus meint:

    @Carmen: Vielen Dank für die Blumen. :-)
    Irgendwie ist es ja schon ein wenig skurril, mit welcher „Sorgfalt“ beim Finanzamt mit Unterlagen umgegangen wird.