Santa 2008

8. Dezember 2008 - 16:05 Uhr

„Rudi, du hast mal wieder recht gehabt.“ Santa blickte von seinem Laptop auf und goss sich einen Whisky ein. „Das Geschäft lief doch besser als erwartet. Die Leute haben Geschenke gekauft, als gäbe es kein nächstes Weihnachten.“ „Vielleicht ist das ja auch so.“ Rudi grinste seinen Chef schief an. „Manchmal macht es mir Angst, wenn du so dreinschaust.“ Santa wusste genau, wie eiskalt kalkulierend Rudi war. Aber er war nun mal sein bester Stratege. Er hatte es weit gebracht. Während seine Kollegen immer noch den Schlitten zogen, schmiedete Rudi Kampagnen zur Umsatzsteigerung.

„Weißt du noch, damals, als wir mit dem Laden anfingen? Hätte nicht gedacht, dass wir es soweit bringen.“ Santa schaute versonnen in das Kaminfeuer. „Oh ja, dieses elende Äpfel und Nüsse schleppen. Schrecklich.“ „Immerhin hast du es ja dann geschafft, den Leuten beizubringen, dass es auf die Größe und den Preis der Geschenke ankommt. Erinnerst du dich noch an letztes Jahr, als dieses verzogene Gör seinem Vater die Holzlokomotive an den Kopf geworfen hat, weil es keine elektrische Marken-Eisenbahn bekommen hat?“ – „Klar doch, das war ganz großes Kino.“

Rudis Blick verfinsterte sich. „Chef, wir müssen über das nächste Jahr reden. Das wird trübe aussehen. Das mit den riesigen Geschenken können wir uns da abschminken. Aus einem trockenen Schwamm kann man kein Wasser pressen.“ „Und du hast natürlich wie immer einen Plan – stimmt’s?“ „Erst mal setzen wir die halbe Belegschaft an die Luft. Seit wir in den Online-Versand eingestiegen sind, füttern wir die ja ohnehin nur noch aus Nostalgiegründen durch. Wer braucht heute noch Elfen und dieses Rentierpack? – Es sei denn sie haben rote Nasen.“ Rudi grinste kalt. „Und wir beide? Was machen wir?“ „Das, was ich schon immer mal machen wollte: Weihnachtsferien. Wir lassen es uns irgendwo in der Karibik mal so richtig gut gehen.“

„Na ja, das hat schon was für sich; aber was sollen dann die ganzen Leute machen?“ Santa strich sich nachdenklich durch den Bart. „Das ist mir doch egal. Irgendwas mit ‚Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen‘ oder so.“

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