Das Märchen vom Untergang der sieben Zwerge

25. November 2008 - 12:57 Uhr

Einst wohnten hinter den sieben Bergen sieben Zwerge. Sie arbeiteten fröhlich und waren vorbildlich in ihrer Solidarität mit anderen kleinen Leuten, darum mochte man sie auch unter Menschen. Eines Tages begab es sich, dass die Zwerge in die große Stadt berufen wurden, um die Geschicke dort zum Besseren zu wenden, da Neid und Missgunst die Menschen in Not gebracht hatten. Freudig machten sie sich auf den Weg und begannen ihre neue Arbeit.

Es dauerte aber nicht lange, da beschlich einige der Zwerge ein unbehagliches Gefühl. Sie sahen, dass sie kleiner waren und andere Ideen verfolgten als die großen Menschen. Sie bauten sich Stelzen und trugen fortan lange Mäntel, damit man sie nicht von den großen Leuten unterscheiden konnte. Sie redeten auch anders und polterten umher, gerade so wie die ehemaligen Herren der großen Stadt.

Viele der Menschen, die die Zwerge gerufen hatten waren bitter enttäuscht. Sie erkannten keinen Unterschied mehr zwischen den Stelzenzwergen und ihren alten Herren. Auf die wenigen Zwerge, die keine Stelzen tragen wollten, blickten die Stelzenzwerge herab, denn sie hatten sich schon zu sehr daran gewöhnt vornehm mit den großen und wichtigen Leuten zu reden. Da wurden die Zwerge, die Zwerge bleiben wollten, immer trauriger.

Einst begab es sich aber, dass Rumpelstilzchen die Stadt betrat. Rumpelstilzchen war vor langer Zeit als achter Zwerg bekannt, wurde aber wegen seiner cholerischen Art von den anderen gemieden. Rumpelstilzchen hatte sich mittlerweile mit den Gnomen angefreundet, einem Völkchen, dass im Lande sehr unbeliebt war. Keck behaupteten sie, die wirklich wahren Zwerge zu sein. Sie brachten sogar zwei Zwerge dazu, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen.

Da war die Verwirrung bei den Menschen groß. Hatten sie doch die Zwerge gerufen, damit es ihnen besser geht, waren die einen auf ihren Stelzen nicht mehr wieder zu erkennen und die anderen verdächtig, mit den Gnomen unter einer Decke zu stecken.

Da beschlossen die Menschen, die Zwerge weg zu schicken und setzten wieder ihre alten Herren ein, denn elend leben konnten sie auch ohne Zwerge. Rumpelstilzchen aber blieb in der Stadt und lachte und tanzte fortan und stimmte Hohngesänge auf seine ehemaligen Gefährten an.

Derart verstoßen kehrten die Zwerge zurück hinter die sieben Berge. Aber es war anders als in den schönen alten Zeiten. Den meisten Teil des Tages stritten sie, wer von ihnen an ihrem Schicksal nun schuld gewesen sein möchte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann streiten sie noch heute.

Ein Kommentar zu “Das Märchen vom Untergang der sieben Zwerge”

  1. Fischer meint:

    Hihi, sehr schön.