Gut Ding braucht gut Weil – Wunschartikel Nr. 2

3. Februar 2008 - 14:51 Uhr

Der Wunschartikel, der beim letzten Quiz ausgelobt wurde, hatte noch eine kleine Schnitzeljagd nach sich gezogen. Die zehn Wörter wurden hier in diesem Blog und drüben bei Frau Jekylla in den Kommentaren versteckt. Und bei der Auswahl der Wörter ist es nicht unbedingt trivial, daraus eine durchgehende Geschichte zu basteln ;-).

  1. Kopfhautbrennen
  2. Blogblues
  3. Teletubbies
  4. Bubikopf
  5. Glückskeks
  6. Rauschgoldengel
  7. Bond
  8. Schlachtfest
  9. Tagebuch
  10. Clacqueureuse

Kerstin hatte den Blogblues. Seit Tagen fiel ihr schon nichts Vernünftiges mehr ein, was sie in ihr Blog schreiben konnte. Entweder schienen ihr die Dinge zu banal oder zu privat, um sie der Öffentlichkeit preiszugeben. Auch sonst bewegte sich ihre gute Laune auf der nach unten offenen Skala in ungeahnte Tiefen. Dazu zeichnete sich am Horizont der Horror schlechthin ab: Fasching! Karneval in Rio, ja, dafür könnte sie sich noch erwärmen, alleine schon wegen der angenehmeren Temperaturen; aber dieses Schlachtfest des Flachhumors, wie es hier zuweilen veranstaltet wird, dafür war sie nicht zuhause. Ihre beste Freundin Anja hatte es sich aber in den Kopf gesetzt, Kerstin aus ihrer Melancholie heraus zu zerren. Irgendwann gab Kerstin nach und ließ sich zum Besuch eines Maskenballs breitschlagen.

Das hatte sie nun davon. Sie saß da, ein als Rauschgoldengel verkleidetes Häufchen Elend. Anja redete immer noch auf sie ein; so unglaublich gut gelaunt und schon mit ein, zwei Gläschen Prosecco gedopt. Kerstin fand zunächst kein Wort für diesen Zustand, einigte sich innerlich dann auf den Begriff „Clacqueureuse„; zusammengezogen aus den Worten „Clacqueur“ und „heureuse“. Zusammengezogen wie ihr Magen. „Na gut denn, gehen wir.“

Das einzig positive, das Kerstin finden konnte, war, dass sie sich nicht geirrt hatte. Und so langsam bekam sie Kopfhautbrennen von der Lockenperücke, die sie über ihrem Bubikopf trug. Und Flügel können lästig sein, wenn man damit nicht fliegen sondern nur anecken kann. Von Links waberte ein Alkoholfähnchen heran, das seinen Ursprung im Munde eines Mittvierzigers im maßlos geschneiderten Smoking hatte. „Gestatten – Bond – James Bond!“ Kerstins Blick wanderte einmal an dem Herrn auf und ab. Er hatte so gar nichts von einem Geheimagenten im Auftrag ihrer Majestät. Und sie erinnerte sich, dass sie diese Person schon vor einer halben Stunde auf der Tanzfläche sah, auf der er sich mit der Eleganz eines Teletubbies bewegte. Er hatte mit Sicherheit die Lizenz zum Nervtöten. Sie war geschüttelt, nicht gerührt.

Endlich gab Kerstin ihrem Fluchtreflex nach. Sie wollte nur noch nach Hause. Ihr Sofa kam ihr wie der beste Platz der Welt vor, an dem man sein konnte. Kerstin fischte sich einen Glückskeks aus der Packung und öffnete ihn. „Den richtigen Weg lernt man schätzen, wenn man den falschen gegangen ist.“ Oh ja. Sie nahm ihr Notebook zur Hand und öffnete ihr Blog. „Liebes Tagebuch …“ Sie schrieb sich diesen Abend und ihren Frust von der Seele.

Am nächsten Morgen staunte sie über die vielen Kommentare von Blogbluesern und Faschingsverweigerern. Kerstin strahlte mit der Sonne, die sich nach den grauen Tagen auch mal wieder zeigte, um die Wette. La Vita è bella.

9 Kommentare zu “Gut Ding braucht gut Weil – Wunschartikel Nr. 2”

  1. Jekylla meint:

    Grande!!!
    Aus diesen Worten eine Geschichte zu machen ..ich haetts fast fuer unmoeglich gehalten. Wie wunderbar, dass ich mir geirrt habe :-)

    Herr Quintus, bei Ihrem naechsten Raetselevent werde ich ALLES geben, dessen seien Sie versichert!


  2. Quintus meint:

    Vielen Dank *verschämt rot werd*.

    Für das nächste Quiz muss mir nur noch etwas überlegen, damit auch für „Nachzügler“ etwas übrigbleibt.


  3. Jekylla meint:

    Sie haben Recht, ich hatte ja schon zweimal das Vergnuegen. Bei DEN Ergebnissen hat das fast schon Suchtcharakter ;-)


  4. Quintus meint:

    Oh, hoffentlich muss ich dann nicht irgendwann Warnhinweise geben ;-).


  5. Markus meint:

    Eine schier unlösbare Aufgabe haben Sie da gelöst.Und wie! Sehr schön zu lesender Text mit – meiner Meinung nach – zwei kleinen Höhepunkten:
    1. „Schlachtfest des Flachhumors“
    2. „Sie war geschüttelt, nicht gerührt.“ ;-)

    Da bleibt mir nur in der Sprache unseres wunderbaren Dialektes zu sagen: Reschbeggd, mei liewer Herr Quintus, Reschbeggd!


  6. Pathologe meint:

    Oh ja, Herr Quintus. Sperren Sie einfach die IP von Frau Jay, damit wir Nebenblogger auch mal unseren Spaß haben können. Vielleicht ja auch Willi und seine Bienenschwester.

    Schließlich möchte ich auch einmal unbloggbare Wörter loswerden.


  7. Quintus meint:

    „Willi und seine Bienenschwester“ … eine „trollige“ Umschreibung ;-).


  8. Simone meint:

    Liebster Quintus,
    es ist mir ein rauschendes Fest, Ihre Zeilen zu lesen! Weiter so!


  9. Quintus meint:

    *rot werd* D-danke :-).