Türchen 14: Ein Bärenleben – Teil 6

14. Dezember 2007 - 0:00 Uhr

Ja, Frau Hansen wusste halbwegs genau, was sie einkaufen soll. Julias Wunschzettel war recht leicht zu erfüllen. Natürlich gab es einige Abstriche da, wo es das Finanzielle einfach nicht her gab. Aber dies waren zum Glück keine wirklichen Herzenswünsche.

Ein wenig schwieriger tat sich Frau Hansen bei den Geschenken für Jan. Da war ja nur ein Wunsch. Sie versuchte sich zu erinnern, was Jan ansonsten gern mochte, ganz einfach um beiden gleichwertig zu begegnen. Für ihr eigenes Empfinden gelang es ihr wirklich gut.

Am Ende des Einkaufmarathons wendete sich Frau Hansen nun Herrn Köstmann zu. Herr Köstmann freute sich sichtlich Frau Hansen wieder zu sehen. Um so irritierender fand sie seine Reaktion, als das Gespräch auf den Bären kam. Plötzlich wurde Herr Köstmann sehr ernst.

„Frau Hansen, ich habe hier wirklich alles, was sie haben möchten. Aber genau diesen Bären, den habe ich leider heute morgen verkauft. Und leider – leider – es war der Letzte. Und es fällt mir schwer, das zu sagen, aber der wird auch nicht mehr hergestellt. Ich hatte den selbst schon einige Jahre auf Lager und habe ihn gerade dieses Jahr noch einmal heraus gekramt. Das wird schwierig. Ich kann ihnen die Adresse des Herstellers geben, vielleicht weiß der, wo es diesen Bären noch geben kann. Aber machen Sie sich nicht allzu viel Hoffnung.“

Hoffnungslos war das Wort, was Frau Hansens Zustand am ehesten beschreiben konnte. Sie lief, voll bepackt mit den Dingen, die sie bereits gekauft hatte von Laden zu Laden, aber keine Spur von diesem Bären.

Auch alle Telefonate in den nächsten Tagen, welches Geschäft diesen Bären noch haben könnte führte nicht zum Erfolg. Frau Hansens Herz zog sich zusammen, sie konnte den Herzenswunsch ihres Sohnes nicht erfüllen.

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