Le Wünscharticle est arrivée

9. November 2007 - 22:31 Uhr

Uiuiui, das war ja gar nicht so einfach diese zehn Begriffe zu verwursten…

  • Gänseblümchen
  • Tiefenschärfe
  • Gobelin
  • Ponyhof
  • Erdbeeren
  • Geröll
  • Kurzhaarfrisur
  • Lieblingslied
  • Saarbrücken
  • Aloha

Was für ein Tag. Henning saß in seiner Stammkneipe in Saarbrücken und spülte seinen Frust hinunter. Dabei hatte alles so gut angefangen. Sein guter alter Radiowecker hatte ihn mit seinem Lieblingslied geweckt und zum ersten Mal seit langem freute er sich darauf ins Büro zu fahren. Dies mag an der netten neuen Kollegin gelegen haben, die er von Anfang an ungeheuer attraktiv fand. Und heute Mittag würde er mit ihr essen gehen. Er hätte in seiner Schüchternheit nie zu fragen gewagt, aber SIE wollte mit IHM essen gehen. Das war wie Erdbeeren im Dezember, nur besser.

Aber es kam so, wie es kommen musste. Gut, dass er ihre neue Kurzhaarfrisur nicht bemerkt hat, kann einem Mann schon einmal passieren, obwohl zwanzig Zentimeter weniger durchaus bemerkenswert sind. Henning und Konversation treiben sind zwei Welten. Dies bemerkte auch seine Kollegin recht rasch. Eher aus Langeweile begann sie von ihrer Katze zu erzählen. Sie hatte sogar ein Foto dabei. „Wohnt die Katze bei deinen Eltern?“ fragte Henning. „Nein, wieso?“ „Wegen dem Gobelin im Hintergrund, sowas findet man doch nur bei alten Leuten oder auf dem Ponyhof.“ „Das ist eines meiner Hobbies, neben Reiten.“ Die gefühlte Temperatur im Raum raste dem absoluten Nullpunkt entgegen wie Geröll bei einem Steinschlag. „Ich äh, ich fotografiere gerne.“ Verzweifelt klammerte sich Henning an einen Strohhalm. „Ach ja, interessant. Ich auch, momentan experimentiere ich mit Tiefenschärfe.“ „Du meinst Schärfentiefe.“ Und die Besserwisserpunkte gehen an den Herrn mit dem verduzten Gesicht. Es ist eine Sache, in einen Fettnapf zu treten. Aber mit beiden Füßen hineinspringen um dann auf und ab hüpfen – das schaffen nur wenige.

Henning lief es kalt den Rücken runter. Das lag allerdings weniger an der Erinnerung an das verpatzte Mittagessen sondern an einer Flüßigkeit, die sich überraschend über sein Hemd ergoss. „Entschuldigung, das ist mir fürchterlich peinlich. Ich bin immer so ungeschickt.“ „Dann sind wir ja schon zwei, willkommen im Club. Was war es denn? Ich kann mir so schlecht auf den Rücken schauen.“ „Weißwein.“ „Das gibt wenigstens keine Rotweinflecken.“ Die junge Dame, zu der die Stimme gehörte, war sichtlich erleichert, dass Henning die Situation so gelassen nahm. Er wusste, dass er sie schon öfter hier gesehen hatte, ohne dass sie ihm wirklich auffiel. „Sie sehen aus, als sei ihnen eine zwei Kilo schwere Laus über die Leber gelaufen.“ Es war Henning gar nicht bewusst, dass ihm seine Frustration so ins Gesicht geschrieben stand. „Ach, das ist eine dumme Geschichte zum Thema ungeschickt.“ „Erzählen sie doch mal.“ Henning erzählte ihr von seinem Tag und die Dame schüttelte sich vor lachen. Nicht, weil sie sich lustig machte, nein, Henning konnte seine Missgeschicke urkomisch erzählen. Die beiden unterhielten sich noch lange, wie es ist durch den Tag zu tollpatschen. Beide träumten von einer Reise nach Hawaii, und am liebsten nicht alleine. Je länger der Abend wurde, erkannte Henning, dass Kathrin den Charme eines Gänseblümchens hatte. Man muss schon genauer hinsehen um den besonderen Reiz zu erkennen. Irgendwann hatten die beiden ein Einsehen mit dem Wirt, der auch gerne Feierabend machen wollte. „Sehen wir uns wieder?“ fragte Henning. „Ganz bestimmt. Aloha!“

Auf dem Nachhauseweg sang Henning sein Lieblingslieb leise vor sich hin.

10 Kommentare zu “Le Wünscharticle est arrivée”

  1. Jekylla meint:

    Klasse!!!!!!!! Ich hatte nach ein paar Zeilen vergessen, nach den Woertern zu schauen :-)


  2. Jekylla meint:

    Und was war Hennings Lieblingslied????


  3. Quintus meint:

    Öhm – keine Ahnung, bin ja nicht Henning :-D


  4. Jekylla meint:

    Haette ja sein koennen, dass Sie sich kennen, Saarbruecken ist ja nicht so gross *g


  5. Markus meint:

    Schöne Geschichte! Geschicktes Verweben von Wortvorgaben und Geschichtsverlauf. Und der Knaller zum Schluss:
    „…sang Henning sein Lieblingslieb leise vor sich hin.“ ;-)

    Lieblingslieb, what a beautiful word!


  6. Quintus meint:

    Huahhhhaaa !!
    Das sehe ich jetzt erst. Aber das bleibt jetzt so. Jeder sollte eine Lieblingslieb haben :-).


  7. Quintus meint:

    Vielleicht sollte man mal eine Liste der lustigsten Verschreiber anlegen.

    In den Suizid geriebene Webdesigner haben ja auch was :-D


  8. Markus meint:

    Oh ja, das war ein netter Verschreiber von mir. Was nicht so nett war, kurz nachdem ich das geschrieben hatte, hatte mich der Drecks-Internet-Explorer beinahe wirklich in den Suizid gerieben.


  9. Quintus meint:

    Was durchaus nachvollziehbar ist. Ich halte es aber lieber mit Verwünschungen Richtung Redmond ;-).


  10. Jekylla meint:

    Das Lieblingslieb fand ich auch allerliebst, wollte allerdings nicht kleinlich sein *g

    Ausser den Verschreibern sind auch die Verleser manchmal sehr amuesant.