Von Afrika und Spendernieren

2. Juni 2007 - 14:34 Uhr

bild020607.jpgWillkommen zurück in der Normalität. Bild kümmert sich wieder um die angestammten Themen wie Katja Riemann’s „Neuen“, dass „wir“ heute gegen San Marino 17:0 gewinnen sollen und so weiter blabla. Der „historische“ gestrige Tag ist auf Briefmarkengröße irgendwo im unteren Gewusel der „Seite 1“ zusammengeschrumpft. Ach ja, natürlich fehlt auch der Hinweis nicht, dass die makabere Show zur Spenderniere nur gespielt war. Da bin ich wohl auch auf den Leim gekrochen.

Zurück bleibt der Gedanke, warum die Sensationsmedien gleich den Holzhammer auspacken, um solche Themen dem Volk ins Gedächtnis zu hämmern. Es könnte ja sein, dass sich bei den Herrschaften ein verdrehtes Weltbild eingeschlichen hat, wie bei dem notorischen Fernlichtfahrer, der überhaupt nicht realisiert, wie er andere blendet und über die Blindheit der anderen wettert. Leider geht in diesem emotionalen Taumel eine differenzierte Sicht verloren. Die Lösungsansätze bleiben dann genauso grob behauen wie die Berichterstattung.

Das Drama, das sich schon über Jahrzehnte in Afrika abspielt, bekommt ein anderes Gesicht, wenn ich die Feststellung „es gibt zu wenig Wasser und Nahrung für die Menschen“ auch nur leicht umkehre und sage „es gibt zu viele Menschen für das vorhandene Wasser und die Nahrung“.

Bleibe ich im ersten Bild, bin ich mit meinen Wertvorstellungen noch auf der sicheren Seite, vorausgesetzt ich helfe eifrig.

Betrachte ich aber die Überbevölkerung als Ursache und die Mangelversorgung als Folge, wird es ungleich schwieriger, denn dann kommen Werte ins wanken.

Der Überbevölkerung selbst zu begegnen, setzt voraus, zwei simple Fakten anzuerkennen, bei denen sich allerdings der Magen krampft und die Nackenhaare aufstellen: Die Erde ist endlich groß und kann nur endlich viele Menschen ernähren. Wie viele Milliarden dies letztens sind, hängt zwar irgendwo von der Produktivität ab, aber selbst die gerechteste Verteilung ändert nichts daran, dass diese Grenze bei einer anhaltenden Zuwachsrate überschritten wird oder bereits überschritten ist. Diesen Zuwachs zu stoppen heißt aber auch, es müssen weniger Menschen geboren werden als Menschen sterben. Oder zumindest gleich viele, um allerwenigstens in eine Stagnation zu kommen. Mir persönlich erscheint ein Geburtenrückgang erträglicher als abwenden und sterben lassen. Gerade die katholische Kirche tut sich anhaltend schwer in diesem Denkprozess. Wächst die Bevölkerung ungebremst weiter, wird es wohl zu Katastrophen kommen, gegen die die Situation derzeit nur ein schwacher Vorgeschmack ist.

Die Kriege, die in Afrika toben, drehen sich nicht um irgendwelche Weltanschauung oder Öl, sondern es geht um das nackte Überleben. Das erklärt zwar die unmenschliche Grausamkeit, mit der diese Kriege geführt werden, vermindert aber nicht die Unerträglichkeit. Zu wissen, dass dies auch durch eine verfehlte Politik während des kalten Krieges verursacht wurde, in der die so genannte „Entwicklungshilfe“ zum Schaukampf zweier Großmächte verkommen ist, macht es auch nicht gerade leichter.

Es bleibt, wenn überhaupt lösbar, hinreichend schwierig. Trotzdem sollte man sich nicht entmutigen lassen und es wenigstens versuchen. Es gibt zum Glück mittlerweile zahlreiche Projekte, die sorgsam auf eine nachhaltige Verbesserung zielen und ausdauerndes Engagement zeigen. Es bleibt allerdings noch der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Ich hoffe, die Aufmerksamkeit der BILD-Leser ist nicht so kurzlebig wie das „historische Dokument“ und sie sehen ein wenig am Blendlicht der „Sensationen“ vorbei und wandeln die punktuelle Betroffenheit in dauerhaftes Engagement.

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