Orwell 2007?

11. Mai 2007 - 0:59 Uhr

In Orwell’s Roman „1984“ wird ein Bild eines totalitären Staates gezeichnet, in dem die Bürger rund um die Uhr überwacht werden (in heutiger Sprache: 24/7). Dies lässt sich nur durch einen permanenten Angstzustand erreichen. Auf der einen Seite befindet sich „Ozeanien“ immer im Kriegszustand mit ständig wechselnden Bündnissen, was eine äußere Angst erzeugt und auf der anderen Seite eine innere Angst, die durch den Staat selbst mit gezielter Desinformation verursacht wird und zu einem Misstrauen der Bürger untereinander führt. Das Vertrauen wird schon im Keim erstickt. Selbst der Gedanke an Kritik steht unter Strafe.

Was hat das Ganze mit uns zu tun? Wir schweben scheinbar in ständiger Gefahr Ziel terroristischer Anschläge zu werden. Wirklich? Gestern waren es Islamisten und heute kommt die gewaltbereite Linke als Wiedergänger zurück. Ganz von Geisterhand. Plötzlich wollen alte RAFler Begnadigung, die Presse berichtet und schon formieren sich die alten Staatsfeinde wieder neu. Sorry, wer glaubt denn sowas? Und was möchte unser guter Herr Schäuble tun? Erst mal alles überwachen. Kein Rechner soll mehr vor ihm sicher sein. Mal Hand aufs Herz: Glaubt wirklich jemand, dass, falls sich Herr Schäuble mit diesem Gedanken durchsetzt, zuerst einmal ein paar Entwickler anfangen nachzudenken, wie man dies umsetzen kann? Oder gibt es das schon, allerdings ohne rechtlichen Rückhalt?

Die Hersteller von Antivirensoftware sollen ein „Hintertürchen“ lassen für die Spionage-Software. Sorry Herr Schäuble, auf welchem Planeten leben Sie? Ich nenne meinen Erde. Und da gibt es ein paar Länder mehr als Deutschland, auch solche, die nicht gerade politisch auf Kuschelkurs liegen. Auch dort gibt es Software-Entwickler. Glauben Sie wirklich, ein Mensch mit terroristischen Ambitionen kauft sich unter diesen Umständen im Elektro-Discounter um die Ecke dann seine Sicherheits-Software? Die landet eher bei unbescholtenen Bürgern. Und wie lange dauert es, bis Hacker dieses Hintertürchen finden und sich fleißig bedienen? Wie kann ein Mensch nur so kurz denken?

Ach ja, gewalttätige Jugendliche sind kein Problem. Der Anstieg ist nur eine Folge der Anzeigebereitschaft der Bevölkerung. Jedenfalls im engen Denken des Herrn Schäuble. Nach Ursachen fragt sowieso niemand. Ich frage mich nur, warum man bei der Präsentation einer Kriminalstatistik, bei der es sich ja im weiteren Sinne um die Darstellung von Verbrechen handelt, in die Kamera grinsen muss. Rein marketing-technisch hätte ich zu einer sorgenvollen Mine geraten.

Zu einem sinnvollen Konzept gegen rechte Denkanalphabeten habe ich leider keine entsprechenden Links gefunden.

Dieser Beitrag enthält eine gewisse Spur an Ironie und deren buckligen Bruder Sarkasmus. Man möge mir verzeihen ;-)

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