Odyssee in Saarbrücken

8. Mai 2007 - 0:14 Uhr

Ich war heute ganz mutig. Seit langem habe ich mich mal wieder dem öffentlichen Nahverkehr in Saarbrücken anvertraut. Warum mutig? Seit Beginn des Jahres galt ein neuer Fahrplan, der vollkommen neu ausgearbeitet wurde. Alle Linien bekamen neue Nummern. Die Saartal-Linien stellten von zwei- auf dreistellige Nummern um. Dabei wurde aber peinlich genau darauf geachtet, dass man an der neuen Zuordnung bloß nicht die alte Wegstrecke erkennt.

Das war auch nötig, denn in den letzten 50 Jahren haben sich immerhin fast 50 Linien entwickelt. Mit den neuen Nummern ist man also für das Jahr 2057 wohl gerüstet. Vielleicht ist es aber nur das Vortäuschen von Größe … ;-).

Der neue Fahrplan stellte sich nur all zu schnell als „planlos“ heraus und wurde mit Wirkung zum 1. Mai noch einmal umgestellt. Es wurde besonderen Wert auf besseren Anschluss gelegt – so die Werbung.

Na gut, so habe ich es denn heute gewagt. Als erstes fiel mir beim einsteigen der etwas mitleidige Blick des Fahrers auf, als ich mein Begehr zur Beförderung in die Innenstadt äußerte und ein Zweieurostück hinlegte. „Zweizehn“ schalmeite es mir entgegen und ich war als Tarif-Unkundiger entlarvt. Nun denn, noch einmal nachgekramt und los geht es.

Am Römerkastell (für alle Nicht-Saarbrücker: einer der Drehpunkte im Saarbrücker ÖPNV) überraschte mich der neue Fahrplan. Ja, die Saarbahn war noch nicht längst weg wie früher. Ich durfte sie aus dem Bus heraus beim abfahren bewundern. Der Bus war übrigens sehr pünktlich – es gehört zum Plan.

Also sieben Minuten Wartezeit, Saarbahn, Nauwieser Viertel, drei Bierchen, ab nach Hause.

Welcher Komiker hat sich eigentlich die neuen Automaten an den Saarbahnhaltestellen ausgedacht? Ja, man kann nun Fahrkarten bis Neunkirchen (Nahe !!!!!) an dem Automaten lösen, aber der Tarif „Einzelfahrschein Stadt“, der wahrscheinlich 80% des Geschäfts ausmacht, benötigt ein genau so exaktes Studium des Automaten. Mir ist jedenfalls bei der Erstbenutzung die gerade ankommende Saarbahn vor der Nase weg gefahren.

Aber ich weiß es ja jetzt: eins-eins-eins, Einzelfahrschein Erwachsene (die Beleuchtung ist immer noch schlecht – ich weiß aber zweite Taste von oben), Fahrschein, ärgern über den Preis – warten.

Am Römerkastell freue ich mich auf den besseren Anschluss. Pustekeks! Es ist 22:35 – ich betrachte das nicht als unchristliche Zeit – fährt der nächste Bus in meine Richtung (und das ist die Hauptrichtung) erst um 22:57.

Wenn ich nicht dieses vollkommen überteuerte Ticket in der Tasche hätte, würde ich jetzt gemütlich nach Hause laufen, fünf Minuten warten und von meinem Fenster kopfschüttelnd dem Bus entgegensehen. Nun ja, bezahlt ist bezahlt und so warte ich.

Dabei fällt mein Auge auf den Fahrplan einer der neuen tollen Linien und diesen Witz:

Fahrplan - vorläufig

Leider hatte ich nur mein Mobiltelefon dabei und mit Blitz sieht man es noch schlechter:

Die Linie 152 fährt ausschließlich Sonntag Morgen um 6:39 sonst wirklich nie. Bei so einer Granularität braucht es tatsächlich dreistellige Liniennummern.

3 Kommentare zu “Odyssee in Saarbrücken”

  1. Markus meint:

    Wie, die haben echt dei Linien umgestellt? Wusste ich ja gar nicht. Danke für den eindrucksvollen Bericht saarländischer Nahverkehrskompetenz ;-).


  2. Quintus meint:

    Ich kann es nicht beurteilen, ob dies insgesamt oder nur für diese Strecke (Scheidt – Schafbrücke – Innenstadt) von Nachteil ist. Aber mein Weg wären 30 Minuten zu Fuß bei angeregtem Gang. Dagegen stehen 17 Minuten ÖPNV in die günstige Richtung , 32 Minuten in die ungünstige. Das ganze für 2,10 € mal zwei. Ich frage mich wirklich, ob dies verhältnismäßig ist …


  3. Axel meint:

    Dem kann ich nur beipflichten. Der neue Fahrplan entbeht nun jeglicher Logik, die Fahrpreise sind unverschämt und die Zuverlässigkeit der Busse lässt zu wünschen übrig. Mein Tipp: mit dem Zug in die Stadt. Günstiger als die Saarbahn-/Bus (ab Scheidt bis Hbf. 1,15 €), viel schneller und meistens sehr zuverlässig.