Zugegeben, es stört ein wenig, wenn am Morgen ein kleiner Trupp von städtischen Arbeitern Bäumen und Sträuchern entlang der Stromleitung mit Kettensägen zu Leibe rücken. Nicht nur das ökologische Bewusstsein sondern auch das langsam in den Tag findende Ego verspüren den Drang die Notwendigkeit der Stromversorgung gegen die Kollateralschäden abzuwägen.
Was das morgendlich kleinäugige Ich allerdings nicht wusste ist, dass diese Aktion ein nächtliches Gesicht aus Laub und Licht zaubert, dass mir nun in der Küche entgegen sieht.
Es liest sich ja ganz gut, wenn vonvielenSeitenbehauptet wird, dass die Regierung eine Studie mit dem Titel “Demografischer Wandel – Ein Politikvorschlag unter besonderer Berücksichtigung der Neuen Länder” verschwinden lässt, deren Ergebnis ihr nicht in den Kram passt.
Man könnte aber auch den Titel der Studie in Google eingeben und feststellen, dass die Studie mit einer Stellungnahme beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung verfügbar ist. Übrigens nicht erst seit heute, sondern sie war schon da, bevor die ersten Meldungen hochpoppten.
Ab und zu sollte man auch mal die Fakten suchen und anerkennen, auch wenn sie journalistisch nicht so ganz in den Kram passen.
Update: heute.de relativiert die Meldung (Änderung natürlich nicht erkennbar):
Mit etwas Mühe findet man das Gutachten nun doch noch Internet, und zwar auf den Seiten des Ministeriums. Wer den Link öffnen will, muss aber vorher an ein paar Zeilen des Ministeriums vorbei: Das Gutachten sei nicht gedacht “als ein vom Ministerium akzeptierter Leitfaden für politische Handlungen”, sondern als “Ausgangspunkt für eine Debatte” über die Gestaltung des demografischen Wandels. Ungeschickter kann man eine Debatte wohl nicht eröffnen.
Mal abgesehen davon, dass im Eifer des Gefechts ein “im” bei “doch noch Internet” abhanden gekommen ist, frage ich mich, wie die “Mit etwas Mühe” definieren.
Frau Merkel gibt sich ja gerne als Kuschelkanzlerin und sammelt so gerne Beliebtheitspunkte. Auf Wahlveranstaltungen zeigt sie bisweilen auch mal ihr wahres Gesicht, wie 2006 geschehen.
Den Ausführungen von Frau Merkel möchte ich diese Variation entgegenstellen:
Man darf nicht sagen ‘ach, das ist doch nicht so schlimm’. Hier mal ein bisschen Vorratsdatenspeicherung, und dort den Einsatz der Bundeswehr im Inneren erlauben, hier mal ein paar Websperren und dort mal das Fernmelde- und Postgeheimis gelockert. Immer so unter dem Motto ‘ist alles nicht so schlimm’. Das sind alles Einschränkungen der Bürgerrechte. Und wer einmal Einschränkungen der Bürgerrechte zulässt, der kann anschließend nicht mehr begründen, warum es irgendwann schlimm wird und irgendwann nicht so schlimm ist. Deshalb Nulltoleranz bei der Einschränkung von Bürgerrechten, meine Damen und Herren!
Zugegeben, in 21 Minuten kann man nicht die Welt erklären. Aber vielleicht hilft das Filmchen ein wenig darüber nachzudenken, ob es wirklich so ungeheuer sinnvoll ist, den Konsum auf Biegen und Brechen anzukurbeln, um aus der Krise heraus zu kommen. Das könnte ein ziemlicher Schuss in den Ofen werden.
Ich würde ja niiiiieee verraten, wen ich gewählt habe. Einfach nur ein kleines Liedchen, um die Wartezeit bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse zu überbrücken.
Mensch, wie konnte mir das entgehen? Heute Nacht um 00:00 Uhr startet der Film “Home” von Yann Arthus-Bertrand. Dabei hat es mir schon das Projekt “6 Billion Others” angetan.
Der Film startet in 50 Ländern gleichzeitig und ist auch auf Youtube zu sehen.
Zitat:
Hymne auf die Erde
HOME ist eine Ode auf unseren Planeten und ein zerbrechliches Gleichgewicht. Mit Bildern aus der Vogelperspektive nimmt uns Yann Arthus-Bertrand auf seine Reise rund um die Welt in über 50 Länder mit zu einem bisher unveröffentlichten Blick auf unsere Erde, damit wir sie von oben betrachten und verstehen können. Doch HOME ist kein engagierter Dokumentarfilm, sondern ein wunderbares Werk der Filmkunst. Jede Einstellung ist atemberaubend und zeigt uns die Erde – unsere Erde, wie wir sie noch nie gesehen haben. Jedes Bild führt uns das vor Augen, was wir gerade zerstören, und alle die Wunderwerke, die wir noch erhalten können. „Wenn man es von oben betrachtet, erklärt sich vieles von selbst“. Der Eindruck, den man gewinnt, ist direkter, intuitiver und emotionaler. HOME packt jeden von uns direkt bei seinen Gefühlen. Der Film macht uns bewusst, dass wir unseren Blick auf diese Welt ändern müssen. HOME behandelt die großen ökologischen Fragen, denen wir uns stellen müssen, und zeigt uns, wie alles auf unserem Planeten zusammenspielt.
Story:
In den 200.000 Jahren seiner Existenz hat der Mensch ein Gleichgewicht gestört, das sich in 4 Milliarden Jahren entwickelt hat. Der Preis dafür ist hoch, doch es ist zu spät, um sich Pessimismus leisten zu können. Es bleiben der Menschheit kaum noch 10 Jahre, um den Trend umzukehren: Wir müssen Schluss machen mit der maßlosen Ausbeutung der Reichtümer dieser Erde und müssen unsere Konsumgewohnheiten ändern.
Update 01:35 Uhr: Gerade zu Ende geschaut. Faszinierende, atemberaubende Bilder. Wer 93 Minuten seiner Zeit in einen wunderbaren, nachdenklich stimmenden Film investieren will, sollte sich dies anschauen.