Der Medienpanzer SH1

8. November 2010 - 16:40 Uhr

„Gewalt erzeugt Gegengewalt“ sagt man ja so schön flott dahin. Und so hat sich auch der Polizeipräsident von Lüneburg, Herr Friedrich Niehörster, gestern in der Tagesschau in Stellungnahme zur Vorgehensweise der Polizei bei den Blockaden des Castor-Transports geäußert:

Hier hat es Attacken auf Polizeibeamte gegeben. Durch Steinwürfe, durch Pyrotechnik. Sie haben im Bild gezeigt, dass ein Sonderwagen aus Schleswig-Holstein gebrannt hat. Das zeigt die „Friedlichkeit“ dieser Menschen.

Dieser arme kleine Panzerwagen wird dann auch gezeigt, und oben kokelt er auch immer noch ein wenig. Ich hoffe, dem Reporterkollegen, der noch aus dem Bild läuft, widerfährt nichts Böses, weil er die Totale für die Tagesschau gestört hat.

tagesschau

Bei n-tv gibt es ähnliche Bilder. Sogar mit dem bösen, zündelnden Chaoten.

ntv1

Leider hatten es die Jungs von n-tv nicht mehr ganz so gut, als es zu den Löscharbeiten ging. Da waren die anderen Kollegen irgendwie im Bild.

ntv2

Der Kollege von der Zeit traute sich in eine andere Perspektive, „verfehlte“ da zwar den Herrn Chaoten, aber seine werten Kollegen hat er schön mit abgelichtet.

zeit

Aber auch dieser nette Fotograf darf sich trösten, denn derjenige, der msn bedient hat, der war jetzt wirklich fernab von Gut und Böse. Er „erwischt“ zwar den netten Chaoten von nebenan, aber wohl später als der Kollege links (1) und blöder weise sind auch rechts massenhaft Fotografen aufgestellt. Richtig dumm gelaufen ist es aus dieser Perspektive, dass man die kleinen Flämmchen oben (3) noch sieht, die beim Löschen noch ein wenig nach gekokelt haben.

msn1

Irgendwie springt da so ein kleiner Gedanke in meinem Kopf auf und ab und sagt mir, dass dies rein für die Medien inszeniert wurde. Aber das wäre paranoid. Würde niemand tun, in diesem Land.

Wäre da nicht …

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Nun ja, gleicher Panzer – noch richtig schön im Lack. Das Schöne ist: Dies ist eine Reportage vom Tag zuvor, in dem unser kleiner Panzer ein paar Bäumchen beiseite schieben darf. Hier auch bei YouTube so bei Minute 0:26 und später bei Minute 2:50.

Soll ich jetzt immer noch glauben was in der Zeitung steht?

In Würde altern

5. Oktober 2010 - 19:24 Uhr

Wenn man wie ich gewohnt war, sein Leben ohne Sehhilfe zu verbringen, schmerzt die Einsicht schon ein wenig, dass so langsam aber sicher die Arme zu kurz werden. Heute kam dann die erste Lesebrille an. An die mittlerweile ungewohnte Schärfe im Nahbereich werde ich mich wohl schnell gewöhnen. Der Blick in den Spiegel ist allerdings noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Muss aber sein, denn früher oder später gesellt sich zu der Lesebrille auch die für den alltäglichen Gebrauch. Die Uhr tickt ;-).

Wenn Wichte wichtig werden wollen

3. September 2010 - 15:03 Uhr

Eigentlich hat es ja schon auch etwas Lustiges, wenn ich mich hier ein wenig rar gemacht habe und mich dann zu einem Thema zurückmelde, das mir eigentlich kein Wort wert wäre, wenn es nur nicht so unerträglich viel Raum einnehmen würde.

Da steht bildlich gesprochen so ein kleiner Wicht vor mir, der einen lustig arabisch klingenden Namen trägt. Das ist ja nichts Schlimmes, der Wicht hat sich ja nur zum Teil selbst gebastelt. Dieser Wicht rechnet mir in arabischen Zahlen vor, dass der Islam eigentlich ganz schön böse ist. Dann schau ich ihn kurz an und frage mich, ob das als Witz gemeint war, lächle kurz und gehe weiter, weil es wichtigere Dinge in dieser Welt gibt.

Doch dieser kleine Wicht kommt dann noch mal zurück und schwurbelt mir etwas von Genen und Intelligenz vor und kommt dann zu dem Schluss, dass das ja irgendwie ganz eng zusammenhängt. Da müsse man sich auch mal drum kümmern. Das wäre wichtig. Dann überlege ich mal ganz kurz und entdecke, dass ich da mal so eine Zeit lang an einer Universität um diese Themen gekreist bin und es eigentlich ganz anders ist, als mir dieser kleine Wicht sagt. Da werde ich schon ein wenig ungehaltener und sage zu dem Wicht: „Du redest wirr, ordne deine Gedanken und lass mich bitte damit in Ruhe.“

Dieser kleine nervige Wicht kommt dann aber wieder zurück und faselt mir etwas von einem Land vor. Und dass dieses Land doch wichtig sei und das es ihm um eben dieses Land gehe. Dann fahre ich gedanklich als so genannter Saarländer mit meinem Auto auf der Autobahn Richtung Forbach, einem kleinen Fleckchen in einem anderen Land, kaum zwei Steinwürfe entfernt, wenn ich denn Steine werfen wollte. Da komme ich dann an einer Stelle vorbei, an der ich langsamer fahren soll. Da gab es nämlich früher einmal eine Grenze, an der sich Menschen spinnefeind gegenüberstanden, weil da so ein paar Wichte meinten, sie müssten sich wegen dieser Grenze und deren Verlauf die Köpfe einschlagen. Dann fahre ich auch ganz bewusst langsam und denke an die vielen Menschen, die sinnlos für diese Wichte gestorben sind. Dass dies heute anders ist, finde ich ganz schön schön. Ansonsten bedeutet mir diese Grenze nicht mehr viel. Es ist eine Verwaltungskrimskramsabtrennung.
Dann muss ich auch daran denken, dass wir, bevor sich dieser kleine dumme Wicht so groß zu Wort gemeldet hat, über ein Land geredet haben, um das früher einmal wichtige Engländer Grenzen gezogen haben und in dem gerade Menschen sterben, weil ihnen eine Flut das Wenige, das sie zum Leben brauchten, weg gespült hat. Die geraten gerade aus dem Blick, weil vor allem über diesen Wicht gesprochen wird. Dann werde ich wütend auf die Wichte, die diesem kleinen dummen Wicht in den so genannten Massenmedien so viel Raum bieten und wirklich wichtige Dinge einfach liegen lassen. Mich kümmern eben Menschen und keine Grenzen und Wichte. Und ich weiß, dass ich da nicht alleine bin.

Und deshalb stelle ich mich vor diesen Wicht und sage ihm: „Kleiner dummer Wicht, du bist ein Störenfried, weil du den Frieden störst. Halt die Klappe!“

Es gibt wirklich wichtigere Dinge in der Welt als diesen Wicht. Das muss auch mal gesagt werden.

Stadiumausbau für Südafrika

30. Mai 2010 - 12:39 Uhr

Lange Zeit galt es als fraglich, ob der Ausbau des heimischen Fußballrunds tatsächlich noch vor der WM von Statten gehen könnte. Die Osttribüne genügte schon länger nicht mehr den internationalen Maßstäben für diese Veranstaltung. Ständige Abwägungen über Farbgebung, Sitzkomfort und auch die Budgetfrage machten die Entscheidung nicht leicht. Eins von den Dreien wollte partout nicht passen. Doch nun hatten die Jungs aus Schweden vor kurzer Zeit ein Einsehen und brachten neue Farbe ins Spiel und so musste nur noch die Logistik erfolgreich gelöst werden.

Ich gebe gerne zu, Samstag ist ein schlechter Tag für die Fahrt zum Möbelschweden – vor allem wenn dank Sperrung die Autobahn an einer Stelle im Schneckentempo umfahren werden will. Schwamm drüber.

Heute Morgen begannen die Umbauarbeiten plangemäß mit dem Abriss der alten Ostkurve.

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Wie versprochen war der Rohbau dank Vormontage und langjähriger Schwedenschraubererfahrung (irgendwann schreibe ich noch mein Lebenswerk „Auf Du und Du mit der Inbusschraube – wie echtes Werkzeug das Leben erleichtert“) schnell errichtet.

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Die Übergabe der neuen Fankurve laut Lieferumfang war dann auch schnell erledigt.

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Aber – da war doch noch etwas? Stimmt, es wird ja WM und außerdem fehlen die liebgewordenen Accessoires der alten Ostkurve.

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Jetzt noch die Spielfläche zurück und wehe, Jungs ihr stellt Euch komisch an – dann fliegen aber die Bälle Richtung Fernseher (Achtung! Nur für Röhrenfernseher geeignet. Don’t try this with your Flatscreen!! ).

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Dem aufmerksamen Beobachter mag übrigens aufgefallen sein, dass auf den Bildern irgend so etwas Grünes am oberen Bildrand hineinschaut, was für treue Leser seltsam bekannt scheint.
Tatsächlich handelt es sich bei dem Kopfbild dieses kleinen Blogs um einen „echten Quintus“ – Öl auf Leinwand aus dem Jahre 1993, der seinen Platz über dem Sofa hat. Spielkind halt, und ziemlich froh damit ;-).

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Die Sache mit den Bienchen und den Blümchen

25. April 2010 - 15:56 Uhr

Heute war mal wieder „Ab in den Garten“ auf der sonntäglichen Tagesordnung angebracht. So ein tolles Wetterchen kann ich ja schlecht an mir vorbei ziehen lassen.

Es blüht ja gerade alles so lustig vor sich hin.

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Wenn sich dann ganz kess eine flotte Biene ins Bild drängelt und die Aufnahme durcheinanderbringt, dann wächst der Ehrgeiz.

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Vor allem wenn man zuerst einmal die Hinteransicht gezeigt bekommt, was auf Bienisch wohl „Du bist zu langsam, alter Mann!“ heißt.

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Gerade als man sich etwas näher kommt, scheint ein absolutes Landeverbot ausgesprochen worden zu sein.

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Aber es gibt ja noch andere schöne Dinge, um sich die Zeit zu vertreiben.

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Gänseblümchencontentaufstockung zum Beispiel. Aber mit Geduld und Spucke …

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… fängt man manche Mucke Biene. Schau mir in die Augen, Kleines.

Ach wie schön!

19. April 2010 - 12:58 Uhr

Seit Tagen freue ich mir einen Ast über einen blauen, streifenfreien Himmel. Kein Lärm von anfliegenden oder startenden Flugzeugen vom nahen Flughafen Ensheim. Um das Ganze noch zu krönen, war hier die Bahnstrecke wegen Arbeiten gestern außer Betrieb. Nur ein paar Jungs von der Bahn werkelten an den Gleisen. Was für eine Ruhe. Ich konnte die kleine diebische Freude darüber, dass unser Merkelchen irgendwo in der Weltgeschichte herum irrt, in vollen Zügen genießen. Wie viele Tonnen Kerosin da wohl unverbrannt geblieben sind?

Ja, ich weiß, es gibt Leute, die durch den Vulkanausbruch Ungemach erfahren. Aber manchmal kann ich auch ganz furchtbar egoistisch sein ;-).

Wertloses Plastik – oder neulich im Getränkemarkt

13. April 2010 - 23:24 Uhr

Vor Kurzem stand ich bei meinem Reorganisationsprogramm zur Auffrischung des Getränkebestands in der Kassenschlange. Es hatte im Getränkemarkt meines Vertrauens nur eine Kasse geöffnet, was bei einem geringen Ansturm auch durchaus verständlich ist. Trotzdem kam es zu einem erheblichen Rückstau.

Naturgemäß kam es zu einigem murrigem Gemurmel, weil es eben nicht weiterging. Dieses erstarb allerdings, als es immer offensichtlicher war, dass der Kunde an der Kasse ein Stück Plastik nach dem anderen der Kassiererin zuschob und immer nur ein betretenes Kopfschütteln erntende.

Beim letzten Stück Plastik und dem letzten Kopfschütteln angekommen, blickte die Partnerin des Kunden entsetzt, fassungslos, ungläubig den armen Mann an und zog ihn aus der Schlange um den anderen Konsumsklaven Platz zu geben. Sie verließ in schnellem Schritt, den Blick gesenkt, den Laden. Er, mit einem hochroten Kopf, der auf keinen gesunden Blutdruckzustand schließen lässt, schiebt seinen Wagen mit gesenktem Blick zurück in den Markt und stellt das, was er kaufen wollte, zurück an den Platz für andere Kunden.

Sein Weg nach draußen, mit seinem leeren Wagen, ist geprägt von einem „Danke“ und „Bitte“, als er sich an der wartenden Schlange vorbei schob, gesäumt von Blicken, die in der Ansicht der eigenen Schuhspitzen eine Lösung suchen. Kein arroganter Blick „mir kann das nicht passieren“.

Als es dann an meiner Reihe war, das Gewünschte auch zu bezahlen, blickt mich die Kassiererin gequält lächelnd an und fragt, ob ich Treuepunkte sammle. Heute, ja.

Willkommen in der Krise.