Türchen 3: Ein Bärenleben – Teil 2
3. Dezember 2007 - 0:00 UhrJan und Julia waren kaum zu halten. Die Straßen waren festlich geschmückt und in vielen Schaufensterauslagen machten für ein paar Wochen die angebotenen Waren Platz für Winterlandschaften, Märchenwelten, nickende Nikoläuse und sich im Kreis drehende Engel.
Die Kinder vergaßen die Zeit und auch die Tatsache, dass es feucht und kalt war. Hier in der Stadt hatte der Schnee zur Zeit noch keine Chance. Während es im Dorf zu hause schon für einen leichten Zuckergussanstrich reichte, gab es hier nur einen unangenehmen Nieselregen.
Frau Hansen bemerkte die Kälte schon. Ihr Sinn stand derzeit nach irgend etwas Warmem. Die Maronen, die sie gekauft hatte, konnten nur bedingt diesen Wunsch erfüllen. Maronen sind ein Glücksspiel: mal gewinnt man, mal verliert man. Dieses Mal war die Tüte leider mit einigen Nieten bestückt. Für jeden sprang nur eine wirklich heile Marone heraus. Noch eine Tüte wollte sie aber nicht kaufen. Sie musste schon ein wenig auf die Haushaltskasse schauen. Zwei Kinder, gerade ein Haus gekauft, da muss man schon rechnen. „Es ist wie im Lotto,“ dachte Frau Hansen, „der große Treffer bleibt einfach aus.“ Sie und ihr Mann spielten jede Woche einen Schein, aber mehr als einmal vier Richtige wollten es noch nicht werden.
Ihr Mann sagte nach jeder Ziehung:„Was haben wir mal wieder für ein unverschämtes Glück, Geld verdirbt den Charakter.“ Sie liebte seine leichte Art, sich mit den Dingen, so wie sie sind, abzufinden. Aber ein klein wenig mehr und ein bisschen Rechnerei weniger wäre doch auch ganz schön.
Frau Hansen wusste, was sie jetzt braucht: Den kleinen Spielzeugladen, der etwas versteckt vom Trubel in einer Seitengasse lag. Dort war es warm, die Kinder konnte sie einen Moment getrost von der Hand lassen und mit dem Besitzer, einem älterer Herrn, der schon den Laden von seinem Vater geerbt hat, konnte man so wunderbar reden.


