Eine lange Geschichte kurz erzählt

21. März 2011 - 14:33 Uhr

Das, was mich von Politikern unterscheidet und mich daher für einen solchen Job wohl disqualifiziert, ist ein gutes Gedächtnis. Ich kann mich noch sehr gut an Schultage erinnern, an denen mit uneinsichtigen Lehrern diskutiert wurde, ob denn nun ungebleichtes Recyclingpapier die Substanz sein darf, auf der Klassenarbeiten geschrieben werden durften, oder ob ein „Atomkraft? Nein Danke!“ Button – im Schulgebäude getragen – verbotene politische Werbung ist. Ich kann mich noch sehr gut an vollständig einsichtsbefreite Physiklehrer erinnern, für die eben Atomkraft eine alternativlose Technik war.

Dann kam Tschernobyl. Aber auch hier blieb der Lernerfolg sichtlich aus, denn – so wurde uns erzählt – war der Hauptgrund doch Schlamperei in einem maroden Kraftwerk. Schuld war also ein im Niedergang befindlicher Kommunismus aber nicht die Technik als solche.

Konfrontiert mit den Vorgängen in Japan bleibt mir derzeit nur die schwankende Hoffnung, dass es dort nicht zum Äußersten kommt. Ich möchte, dass dieser Kelch an den Menschen dort vorbeigeht. Da ist kein Platz für ein irgend geartetes triumphales Gefühl des recht gehabt habens, nur tiefes Bedauern und Anteilnahme.

Ich würde es begrüßen, wenn es bei der derzeitigen Regierung ob der Ereignisse zu einer Spontanläuterung käme. Aber alles was ich sehe, sind hektische Aktionen, die in übelster Offensichtlichkeit dazu dienen sollen, mit einem blauen Auge durch die anstehenden Wahlen zu kommen. Wenn diese Leute sich jetzt auch noch hinstellen und diejenigen beschuldigen, die schon lange einen Ausstieg fordern, auf dem Rücken des Leids der Japaner Wahlkampf zu führen, dann ist das billig, perfide und schändlich.

Ich kann mich in diesen Tagen gar nicht genug fremdschämen.

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