Archiv August 2009

Also gut: Dann nochmal, weil es so schrecklich ist

19. August 2009 - 17:16 Uhr

Ich weiß, dieses Video steht schon hier, da und dort, aber wenn schon Leute hier via Google bei der Suche nach “ursula himmel nochmal” landen, dann kann ich dieses Video nicht vorenthalten:

Es ist schon mehr als unheimlich, welchen Ton diese Frau anschlägt. Man beachte vor allem die Gestik und Stimmführung ab etwa Minute 3:30, als sie sich den ersten Applaus abgeholt hat. Da wääärden kanz alte Errrinnerrrungen wach, an eine Zeit hierrrr in Teutschland, in derrr Hetze noch zum goten Ton gehörrte. Sympathisch ist anders.

Ach ja, dass auch ohne Video hierher gefunden wurde, mag daran liegen ;-).

Update aus dem Sommerloch

11. August 2009 - 17:41 Uhr

Als Blogger hat man es ja richtig gut. Man darf sich am Sommerloch beteiligen, muss es aber nicht. Ich muss mich noch nicht mal darüber beklagen. Hach, diese Freiheit sich ins kuschelige Leben 1.0 zurückziehen und eine kleine Geschichte bis zur Pointe reifen lassen zu können.

Alle Jahre begibt es sich wieder, dass man die Einkommenssteuererklärung dem Finanzamt zuteil werden lässt. Dieses Jahr sogar gerne, da eine Rückerstattung ins Haus steht. Ich weiß, ab und an bin ich etwas zu technophil und auf der anderen Seite bürokratisch blauäugig. Jedenfalls habe ich mich für die elektronische Übermittlung via ELSTER entschieden. Alleine der Name verheißt doch schon, dass es auch in Bürokratenkreisen einen Restfunken von Humor geben muss. Irgendwie dann doch sympathisch.

Nach kaum etwas mehr als einem Monat meldete sich dann Freitags per Telefon der zuständige Beamte und teilte mir mit, dass noch Unterlagen fehlen würden. Unter anderem die Umsatzsteuererklärung. Dieses war der leichteste Teil der Übung, da ich den Umsatzsteuerbescheid bereits erhalten hatte und dieses Fehlen wohl eher ein Fehler vom Amt war. Das Übertragungsprotokoll zeigte auch die anderen fehlenden Formulare als gesendet an. Nein, die hätte er nicht auf dem Schreibtisch. Nach kurzer Überlegung, ob es wirklich sinnvoll wäre, an dieser Stelle eine Diskussion über die Zuverlässigkeit der elektronischen Übermittlung zu führen, entschloss ich mich dem übrigens freundlichen Herrn die fehlenden Unterlagen per Schneckenpost zukommen zu lassen. Ich glaubte, den Fall nun abhaken zu können.

Sicherheitshalber rief ich dennoch eine Woche später an, ob denn nun alles seine Richtigkeit hätte. Ein ebenfalls sehr freundlicher Kollege teilte mir mit, dass Herr X derzeit – eben seit jenem Freitag – in Urlaub weilt. Über den Verbleib der Unterlagen könne er mir nichts sagen. Ob er denn wenigstens die über ELSTER übertragenen Daten noch mal prüfen könne (warum bin ich nicht schon vorher auf die Idee gekommen, dies zu fragen?), ob die denn wirklich unvollständig wären. Dies könne er bedauerlicherweise nicht, da diese zentral ausgedruckt und dann verteilt würden.

An dieser Stelle musste ich eine kurze Sprechpause einlegen. Ist “Internetausdrucker” eigentlich schon Beamtenbeleidigung oder nur eine Feststellung? Und wenn es nur eine Feststellung ist, reicht es dennoch um langsam mahlende Mühlen noch einen Gang herunterzuschalten? Wie gesagt, ich erwarte ja eine Rückzahlung.

Ich müsse mich schon gedulden, bis der werte Kollege aus seinem dreieinhalbwöchigen Urlaub zurück käme. Es ist ja nicht so, dass ich jemandem seinen wohl wohlverdienten Urlaub missgönne, aber das Wort “Stellvertreter” hüpfte ab und an in meinem Kopf auf und ab.

Aber Geduld ist mein zweiter Vorname, und so nahm ich es gelassen hin, dass der Kollege seinen Urlaub auf vier Wochen verlängert hat. Das fiel auch nicht sonderlich schwer, denn die (soll ich es nochmal betonen?) freundliche Kollegin des Kollegen hatte eine wunderbar angenehme Telefonstimme, die durchaus die Gesamtsituation ein wenig aufgeheitert hat.

Letzte Woche hatte ich nun das Vergnügen meinen Ansprechpartner Herrn X persönlich am Telefon zu haben. Es war natürlich nichts da. Diesmal nun die ultimative Lösung persönlich zum Finanzamt dackeln und die Formulare mit Vermerk “zu Händen Herr X” bei der – jetzt kommt’s – nicht nur freundlichen, sondern auch ausgesprochen attraktiven Kollegin an der Rezeption abgegeben.

Heute dann die frohe Botschaft per Telefon, dass die Erklärung abgearbeitet sei. Keck und optimistisch wie ich nun mal bin, wagte ich die Prognose, dass wohl nun der Bescheid in den nächsten Tagen einginge. Leider musste der werte Herr X meinen Mut ein wenig mit den Worten kühlen: “Nein, das muss jetzt durch die maschinelle Verarbeitung, das kann so zwei bis drei Wochen dauern.”

Ich versuche mir seit heute Mittag Maschinenungetüme vorzustellen, die zyklisch Daten eintippen und ausdrucken bis am Ende etwas herauskommt, was dem Charme eines mit Schreibmaschine abgetippten Textes entspricht. Natürlich muss ständig geprüft werden, dass das Papier keinen Amtsschimmel ansetzt. Diese Maschine kann bestimmt auch “Bing” machen.

Nächstes Jahr gebe ich garantiert meine Erklärung wieder persönlich ab. Die sind ja nett auf’m Amt. Neumodischer Schnickschnack. Pah!

Fortsetzung folgt hoffentlich nicht.