Archiv 13. August 2008

Neulich auf dem Rollsteig

13. August 2008 - 14:59 Uhr

Rollsteige sind eine tolle Erfindung. Den Einkaufswagen bis zum Zusammenbrechen vollgepackt kommt man unbeschwert zwischen den Stockwerken und den Parkdecks dahin, ohne seine Zeit in muffeligen Aufzügen zu verbringen.

Gänzlich unbelastet von den noch zu tätigenden Einkäufen kann man das Hinuntergleiten vom Parkdeck in die Einkaufsmaschine noch für einige Sekunden Kontemplation nutzen.

Da kann einem die mürrisch ein tiefes Loch in die Atmosphäre starrende, ein wenig zu figurbetont überkorpulente Frau auffallen, die mit ihrem Einkaufswageninhalt ein sinniges Ganzes ergibt und nur die Frage offen lässt, was nun Ursache und was Wirkung ist.

Ein Mann bahnt sich an den dahinter in die Rollbahn eingerasteten Wagen vorbei bis er die Frau erreicht und ihr aufgeregt etwas mitteilt. Was, das lässt sich in dem Moment nur erahnen, da sich mein Rollsteigband unaufhaltsam an der Frau vorbeischiebt und das Auge etwas neues fixiert.

Am Ende des anderen Rollsteigs steht ein Zweikäsehoch und wird von drei Menschen umsorgt, da ihm die Tränen kullern und er nach seiner Mama schreit. Eine Dame kniet vor ihm und blickt untersuchend auf seinen sandalierten Fuß.

Etwas figurbetont Überkorpulentes rempelt an mir vorbei. Sie greift Zweikäsehoch am Arm und zieht ihn auf den nach oben führenden Rollsteig. Die kniende Frau ruft noch ein “Ihr Sohn hat sich am Fuß verletzt!” hinterher, ohne Antwort, starrer, leerer Blick. Zweikäsehoch weint noch immer. “Sei jetzt still!” Zweikäsehoch wird still, er schluchzt nur noch. Ungläubiges, fassungsloses Schweigen, bevor jeder wieder seinen Weg geht. Nur ein Gefühl der Kälte bleibt zurück.