Archiv Juli 2008

Entpolitisierung nicht mehr möglich

31. Juli 2008 - 23:54 Uhr

Man muss den Artikel in der FAZ gar nicht lesen, obwohl er tatsächlich minutiös den Vorgang zum gewünschten Ausschluss Wolfgang Clements aus der SPD beschreibt. Dann doch lesenswert.

Was irgendwie ein wenig stört ist, dass ein politisches Verfahren gegen ein Mitglied einer politischen Partei in meinen Augen per se eine politische Entscheidung ist. Es war politisch, ist politisch und wird politisch sein. Was denn bitteschön sonst? Wer schreibt denn da die Überschriften?

George Orwells Tagebücher

31. Juli 2008 - 17:19 Uhr

Gerade bei heise gelesen, dass George Orwells Tagebücher ab dem 9. August in Form eines Blogs veröffentlicht werden. Zwar um siebzig Jahre versetzt, aber jeweils zum gleichen Datum. Es ist zwar müssig darüber nachzudenken, ob dies im Sinne Orwells wäre, aber in seinem Roman “1984″ lässt er seinen Protagonisten Winston Smith eher düstere Gedanken hegen:

Für wen, fragte er sich plötzlich, legte er dieses Tagebuch an? Für die Zukunft, für die Kommenden. Sein Denken kreiste einen Augenblick um das zweifelhafte Datum auf der ersten Seite und prallte dann jäh mit dem Wort Zwiegedanke aus der Neusprache zusammen. Zum erstenmal kam ihm die Größe seines Vorhabens zu Bewußtsein. Wie konnte man sich mit der Zukunft verständigen? Das war ihrer Natur nach unmöglich. Entweder ähnelte die Zukunft der Gegenwart, dann würde man ihm nicht Gehör schenken wollen; oder sie war anders geartet, dann war seine Darstellung bedeutungslos.

Meine Ausgabe des Buchs stammt übrigens aus dem Jahr 1984. Daher auch noch alte Rechtschreibung. Winston zuliebe habe ich es so belassen ;-).

Reflektion

31. Juli 2008 - 14:01 Uhr

Neulich habe ich einen kurzen Moment ein Rotschwänzchen beobachtet. Es flog vom Boden auf, drehte sich mit einer unglaublichen Grazie zwischen zwei Buschzweigen aufrecht in der Luft stehend zwei, drei mal auf der Stelle hin und her und landete ebenso artistisch auf dem Zweig seiner Wahl. Das Nachwippen des dünnen Zweigleins fing es ohne viel Federlesens ab, als gäbe es die Möglichkeit überhaupt nicht aus der Balance zu kommen. Die ganze Luftakrobatik nur, um ein paar Sekunden später unbeeindruckt wieder weg zu fliegen. Ebenso wie der Dompfaff, der sich das Schauspiel von seinem Logenplatz auf einem Zaunpfahl mit angesehen hat. Keine Verbeugung des Artisten, kein Applaus aus dem Publikum aber ich war fasziniert.

Eigentlich ist es schwierig, einen solchen Moment zu beschreiben, denn das, was hier steht, sind nachträgliche Gedanken, einige Überhöhungen und kommen doch nicht an die Faszination des Augenblicks heran. Natürlich hatte ich auch keine Kamera dabei, um diesen Moment einzufangen. Und wenn, dann hätte ich ja den Moment selbst verpasst. Es hat auch die Welt nicht weiter bewegt, es war einfach nur kurz da und schön.

Extreme Anprangering

30. Juli 2008 - 14:28 Uhr

Ich mag ja Betroffenheitsjournalismus. Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie das ZDF über die Einschränkung der Pressefreiheit in Peking berichtet. Die Beklommenheit ist nahezu greifbar, wenn Johannes Hano berichtet:

Wir haben immer noch Probleme. Neulich erst ist ein Team von uns herausgefahren aus der Stadt, wollte zu einem Wanderarbeiterdorf, da hat uns die Polizei mit einem Auto einfach touchiert, man hat es vor uns rein gefahren ins Auto um uns dann zu sagen, jetzt sei ja unser Auto kaputt, wir dürften nicht mehr weiter fahren. Also man tut alles mögliche um uns unter Druck zu setzen. Neulich hatten wir sechs Polizisten hier im Studio, die einfach mal wieder unsere Pässe kontrollieren wollten, das ist schon ziemlich Druck, das ist schon ziemlich anstrengend, was wir hier erleben.

Ich frage mich ernsthaft, was da erwartet wurde. Tag der offenen Tür in China, jeder darf dahin fahren wo er will und anprangern?

Das geht doch schon deshalb nicht, weil dann uns Angela mal wieder schön Wetter machen muss. Dann darf sie schon wieder nicht dem Dalai Lama die Hand geben (Ach ja, Tibet … na ja, ist ja schon lange her, fast vergessen.). Denn ohne schönes Wetter haben die Chinesen vielleicht unsere Konzerne nicht mehr so lieb, und wir dürfen dort nicht mehr an der Umweltverschmutzung und Ausbeutung teil haben. Das ist aber jetzt böse. Selbstkritik! Hilfe! Die Chinesen sind doch die Bösen. Wir sind doch die Guten.

Unsere Sportler dürfen doch den Chinesen endlich mal zeigen, wer die ganzen Sportleibchen und -schühchen, die dort produziert werden, am Ende trägt. Von daher ist Peking als Olympiastadt schon gut gewählt. Jedenfalls noch, denn Adidas erwägt, wegen zu hoher Löhne seine Schlappen lieber vermehrt in Laos, Vietnam, Kambodscha und in Indien zusammen schustern zu lassen.

Warum nicht hier? Ganz einfach:

Ein Adidas-Schuh “made in Germany” würde im Sportgeschäft nach seinen Berechnungen etwa 500 Euro kosten.

500 Öcken für ein paar hier gefertigte Treter? Sind wir hier größenwahnsinnig bei der Lohnforderung oder höre ich da ein leises “Ausbeuter”? Begründet wird dieser Preis jedenfalls nicht, klingt aber doch so schön hoch.

Liebe Reporter, wenn ihr dann doch noch irgendwo Wanderarbeiter trefft, sagt auch noch schön Danke für meinen iPod, der würde sonst bestimmt eine Million kosten. Seit auch kritisch, prangert dies und das an. Aber bitte nicht vergessen: “wir” haben da die Finger dicke mit drin im bösen Spiel.

Yippie!

29. Juli 2008 - 12:50 Uhr

Es geht doch nichts darüber, in einem Bundesland zu leben, dass ganz weit vorne liegen will. Jedenfalls im Bereich Online-Durchsuchung. So viel Innovation im Sommerloch. Wofür und wieso weshalb weiß man (oder sagt man) noch nicht so genau, aber Hauptsache Fakten schaffen.

Ich wage mal die Prognose, dass da in Karlsruhe mal wieder Sonderschichten fällig sind.

Irgendwie fühle ich mich an die Selbstbeweihräucherungskampagne “Wir fangen schon mal an – Das Saarland” erinnert. Im Kopf kann man sich den Nachsatz “Noodenke dun mir spääder” ergänzen.

Die armen Parteien

29. Juli 2008 - 2:15 Uhr

Die Parteien in Deutschland – jedenfalls die, die sich Stühle im Bundestag ergattert haben – leiden an schwindenden Mitgliederzahlen. In dem Artikel werden allerdings zu Unrecht die “kleinen Parteien” als Gewinner dargestellt. Nimmt man die langfristigen Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) als Maßstab, erkennt man, das im Vergleich zu 2005 lediglich die “Linke” deutlich ihren Abwärtstrend gebrochen hat und ein klein wenig gegen 2005 zugelegt hat. Ich wage zu bezweifeln, dass diese Zahl “Neuankömmlinge” sind, sondern eher Migrationsbewegungen aus der SPD. Die FDP hat nicht hinzugewonnen sondern Verluste ausgeglichen.

Summiert man die Mitgliederzahl aller vertretener Parteien auf, und setzt sie ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, wird deutlich, dass sich der Schwund schon seit spätestens 1981 andeutet. Damals waren es immerhin 3,24 % der Bevölkerung, die ein “Parteibuch” besaßen, danach ging es nach einer langsamen Stagnation bergab auf nunmehr 1,76 %. Wohlgemerkt zu Anfang auf drei Parteien (CSU ist für mich persönlich mit CDU gleichzusetzen, wer mag, kann auch vier Parteien rechnen) jetzt auf fünf Parteien (sechs, siehe vorn).

Geht man davon aus, dass eine Partei umso erfolgreicher ist, als sie den Durchschnittsbürger repräsentiert, ist dies kaum verwunderlich. Der Durchschnittspolitiker ist eher ein alter Sack. Gemessen an der Bevölkerung, gibt es 44 % Parteimitglieder über 60 Lenze gegen 31 % in der Bevölkerung über 20 (Jaaaa -eigentlich müsste hier 18 stehen, da man ab diesem Punkt wählen darf. Aber in der Statistik scheint dezimal über legal zu gehen ;-) ). Und 73 % davon sind Männer, gegen ca. 51 % in der Bevölkerung, weil Y-Chromosom tragende Spermien eben im Schnitt einen kleinen Tick schneller schwimmen ;-).

Ein wenig schwierig wird es bei der Aufschlüsselung nach sozialen Schichten. Sorry, ich habe es nicht nachrecherchiert, wie denn da die Bestandsaufnahme in der Republik ist und welches Gehalt pro Person denn nun Mittelschicht, untere Mittelschicht, obere und Unterschicht ist. Deutlich ist jedoch, dass die beiden “Volksparteien” in der Mittleren bis oberen Mittelschicht verankert sind. Geht das Niveau nach unten, dann … .

Es scheint, als sei das Konstrukt Partei demographisch in der Bevölkerung schwindend verankert.

Mit Ursache-Wirkung habe ich da ein Problem. Entsteht die Drift durch Abwanderung oder erfolgt keine Zuwanderung wegen zu geringer Identifikation?

Was sollte sich ändern, um diesen Trend umzukehren? Ganz naiv betrachtet, müsste sich das schwächste Glied in der Kette, das gerade 1,76 % der Bevölkerung ausmacht, bewegen. Hurtig.

Mensch-Maschine-Maschinen-Menschen

22. Juli 2008 - 13:15 Uhr

Wenn echte Menschen mit Computern musizieren und dazu computeranimierte Maschinen kreieren, die vorgeben mechanisch auf echten Instrumenten zu spielen, dann legt sich die Logikabteilung im Gehirn ein wenig in die Kurve. Aber nett gemacht :-).