Ich bin nicht Deutschland – manchmal
26. Januar 2008 - 21:45 UhrWenn die deutsche Nationalmannschaft mit Hand und Fuß Fuß- oder Handball spielt, packt mich meist eine gewisse Begeisterung und ich freue mich oder zittere mit.
Bei “Deutschland sucht den Superstar”, bleib ich lieber dann doch außen vor. In diesen Topf will ich nicht geworfen werden – was sollen denn die Nachbarn denken? Ganz langsam zum Mitschreiben: Ich suche nicht mit!
Mal abgesehen davon, dass “der” Superstar anscheinend noch nicht gefunden ist; trotz intensiver Suche will es einfach nicht gelingen. Ist Deutschland etwa das Land der Eintagsfliegen oder liegt es am Konzept?
Es ist schon ein Phänomen, dass sich viele dort bewerben, die sicher ihren Platz im Leben finden können, aber garantiert nicht auf der Bühne. Damit ich nicht ganz aus der hohlen Hand schreibe, schaue ich mir (unter Schmerzen ;-)) nebenbei dieses Spektakel einmal an. Da gibt es die Aufgeregten, die keinen Ton herausbringen, solche mit dezent bis frappierend verschobenem Selbstbild und die notorischen Wiedergänger. So richtig kann man die nicht über einen Kamm scheren. Aber irgendwo folgen sie einem ungegebenem Versprechen: Du kannst ein Star sein. Alle selbst schuld?
Manche schon, andere weniger. Täte sich ein großes Loch des Vergessens auf, wären wohl einige sehr schnell kuriert. Aber nein. Man lässt die Jungs und Mädels natürlich auch zappeln. Man möchte ja der Meute am Bildschirm weiterhin Fleisch vorwerfen können. Die einen bekommen ihre “Fünf Minuten Ruhm” und ein schräger Hansel kommt durch. Nie soweit, dass er gewinnen könnte, aber immerhin ein paar Runden darf er mitdrehen. Früher nannte man das “Anfixen”. Plötzlich wird es nicht mehr rational. Da wird wohl beiseite geschoben, dass es sich nicht um eine einmalige Peinlichkeit handelt, sondern immer und immer wieder hervorgezogen wird. Wenn es im Fernsehen durch ist, geht es auf YouTube in die Verlängerung.
Dort bleibt das auch, egal, ob es dem- oder derjenigen später mal peinlich ist. Ob diese Tragweite jedem wirklich bewusst ist – ich weiß es nicht.
Vor 2000 Jahren hat man Menschen an Löwen verfüttert. “Panem et circenses” – Brot und Spiele. Langsam bewegt sich einiges wieder in diese Richtung. Allerdings mit dem Unterschied, die Menschen opfern sich freiwillig. Gefressen wird noch nicht, “nur” niedergemacht. Toller Spaß.


