Freiheit, die ich meine

10. Januar 2008 - 21:57 Uhr

Folgt man einigen laut tönenden Politikern, die bei jedem Thema nach neuen Gesetzen schreien, schwingt immer auch mit, dass jeder Einschnitt in die Freiheit der Menschen wohl begründet ist. Wo käme man denn hin, wenn hier jeder tun und lassen kann, was er will? Chaos und Anarchie, Gewalt und Terror.

Das Schlimme daran ist, das dieses Denken auf einem zutiefst verunstalteten Freiheitsbegriffs beruht, der so absolut gar nichts mehr mit dem zu tun hat, was die Aufklärung einst meinte. Ein freier Mensch handelt vielmehr nach verinnerlichten Werten und eben nicht verantwortungslos.

Auch hier tun sich die Damen und Herren Politiker schwer. Sie meinen, solche Werte festlegen zu können. Dies ist jedoch vollkommen falsch. Die Festlegung von Werten ist immer ein zweiseitiger Prozess. Auf Werte kann man sich lediglich einigen und nicht einseitig einfordern. Dahinter steht Dialog und nicht Diktat. Es ist auch vollkommen falsch zu denken, ein solches freies Handeln sei nur einer wie auch immer definierten geistigen Elite vorbehalten. Die überwiegende Mehrheit der Bürger würde es im täglichen Leben noch nicht mal merken, wenn plötzlich eine Staatsgewalt fehlen würde. Weil sie in ihrem Rahmen frei handeln.

In den Schlagzeilen stehen aber diejenigen, die sich eben nicht daran halten. Sie sollten doch gefälligst Respekt zeigen. Respekt, auch so ein vergewaltigtes Wort. Es hat heute kaum mehr als eine Sicht von unten nach oben. Nennen wir es ausnahmsweise mal beim deutschen Namen: Rücksicht. Dann wird es eine Sicht auf einer verbindenden Ebene. Auch hier führt nichts an einer Gegenseitigkeit vorbei. Darf man wirklich von jemandem erwarten, der an den Rand gestellt wird, dass er ohne Groll zu anderen aufschaut?

Wir brauchen keine Gesetzflut, wir brauchen ein verständigeres miteinander.

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