Archiv Dezember 2007

Keine Schlagzeile wert?

4. Dezember 2007 - 17:05 Uhr

Tagesschau, Spiegel, FAZ und andere teilen heute mit, dass die PIN-Gruppe die Entlassung von 1000 Mitarbeitern angekündigt hat. Grund seien die vereinbarten Mindestlöhne für Briefzusteller.

Es wäre doch eine gute Gelegenheit für BILD gewesen, hier ebenfalls große Titel zu schreiben, haben diese Leute sich doch in einer vehementen Kampagne gegen Mindestlöhne gestemmt. Wenigstens ein hämisches “Siehste! Das habt ihr jetzt davon. Wir hatten recht!”. Aber nein – nichts.

Mag sein, dass dies an der Mehrheitsbeteiligung des Axel Springer Verlages an der PIN-Gruppe liegt. Mag sein, dass hier ein Geschäftsmodell geplatzt ist, mit Hungerlöhnen Profit zu machen. Darauf kann man dann ja weniger stolz sein.

Stapelverarbeitung

4. Dezember 2007 - 14:36 Uhr

Zugegeben, mein “Ablagesystem” ist etwas anders als bei Anderen. Da gibt es säuberlich geführte Ordner und – ähem – Stapel. Die Ordner, wie der Name schon sagt, enthalten säuberlich aufbereitet Dinge, auf die ich zwar selten aber ohne Suche zugreifen muss. Die Stapel – nun ja. Im wachsen haben diese wohl eine grobe chronologische Ordnung, aber nach zweimaligem durchforsten eher nicht. Ab und an ergibt es sich, dass sich ein Schriftstück nach Gebrauch vom Ordner in den Stapel stiehlt.

PIN-Codes sind zum Beispiel Dinge, die ich häufig brauche, aber selten nachschlagen muss. Mein Zahlengedächtnis ist durchaus gut, aber irgendein listiges PIN-Code Vergeberlein hat sich wohl gedacht, es müsse den Schwierigkeitsgrad ein wenig erhöhen und mir ähnliche PIN-Codes für verschiedenste Zwecke bescheren. Das wird zum Beispiel dann lustig, wenn man nach einem halben Jahr mal ausnahmsweise den PIN für das Mobiltelefon braucht, weil der Akku sich allzu sehr auf das Ladegerät freut. **** OK. “Falscher PIN”. Ach nee, umgekehrt **** OK. “Falscher PIN”. Kein Problem. Ordner “Telekommunikation” aufklappen, dort ist ja der PIN als Deckblatt abgeheftet.

Überraschung! In zwei Wochen wechsele ich zu einem anderen Anbieter. Und dort prangt mir der neue PIN entgegen. Das alte Blatt – weg. Flucht in den Stapel? Also alles durchsucht – nichts. Immerhin eine erquickliche Menge Papier ausgesondert. Na gut, mutiger dritter Versuch – eigentlich war ich mir doch ziemlich sicher – **** OK. Tata! Doch wohl nur vertippt. Noch vor dem Wegräumen eine kurze Säuberung des Telekommunikationsordners, da die meisten Unterlagen des alten Anbieters nun obsolet sind. Ach ja – handschriftlicher Vermerk auf der neuen PIN-Code-Gedächtnisstütze: Alter PIN: **** Alter PUK: ****. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil :-).

To-Do morgen: Altpapier wegbringen.

Türchen 4: Rainer Maria Rilke: Der Apostel – Teil 2

4. Dezember 2007 - 0:00 Uhr

“Dürfen wir auch auf Sie rechnen, mein Herr?” So die Baronin dem Fremden. Ihre Stimme zitterte. Jener erhob sich ein wenig und sagte laut, ohne den Blick zu wenden, mit brutalem Ton: “Nein!” Die Baronin zuckte zusammen. Dann zwang sie sich zu lächeln. Aller Augen waren auf den Fremden gerichtet. Der wandte sein Auge der Freifrau zu und fuhr fort: “Sie tun ein Werk der Liebe; ich geh in die Welt, um die Liebe zu töten. Wo ich sie finde, da morde ich sie. Und ich finde sie oft genug in Hütten und Schlössern, in Kirchen und in der freien Natur. Aber ich folge ihr unerbittlich. Und wie der starke Lenzwind die Rose bricht, die sich zu früh hervorgewagt, so vernichte ich sie mit meinem großen, zürnenden Willen: denn zu früh ward uns das Gesetz der Liebe.” Seine Stimme verhallte dumpf, wie der Glockenton bei Ave. Die Baronin wollte entgegnen, aber der Mann fuhr fort: “Sie verstehen mich noch nicht. Hören Sie:

“Die Menschen waren unreif, als der Nazarener zu ihnen kam und ihnen die Liebe brachte. Er in seinem lächerlich kindischen Edelmut, glaubte ihnen eine Gutes zu tun! – Für ein Geschlecht von Giganten wäre die Liebe ein herrliches Ruhekissen, in dessen wollüstiger Weise sie neue Taten träumen dürften. Den Schwachen aber ist sie Ruin.”

Ein katholischer Priester der anwesend war, griff mit der linken Hand nach seiner Halsbinde, als wäre sie ihm plötzlich zu enge geworden.”Ruin!” dröhnte es aus dem Munde des Fremden. “Ich spreche nicht von der Liebe der Geschlechter. Von der Nächstenliebe spreche ich, von Mitleid und Erbarmen, von Gnade und Nachsicht. Es gibt keine schlimmeren Gifte in unserer Seele!” Der Priester gurgelte etwas durch die dicken Lippen.

“Christus, was hast du getan! Mir ist, man hat uns aufgezogen, wie jene Raubtiere, denen man ihren innersten Trieb mit berechnender Klugheit genommen, damit man, wenn sie zahm geworden, ungestraft mit Knuten auf sie einhauen darf. – So hat man uns die Zähne abgefeilt und die Klauen, und man hat uns gepredigt: Liebe! Man hat uns die Eisenrüstung unserer Kraft von den Schultern gezogen und hat uns gepredigt: “Liebe!” Man hat uns dem Demantspeer unseres stolzen Willens aus den Händen gewunden und hat uns gepredigt: Liebe! Und so hat man uns nackend und bloß in den Sturm des Lebens gestellt, wo die Keulenschläge des Schicksals auf- und niedersausen, – und man predigt uns: – Liebe!”

Atemlos lauschte alles dem Sprecher. Die Diener wagten sich nicht vom Platze und standen verlegen, die Silberplatten in den Händen, zuseiten des Tisches. – Wie ein heißes Gewittern donnerten die Worte des Begeisterten in das schwüle Schweigen.

“……und wir haben – gehorcht”, hub der seltsame Fremdling wieder an. “Wir haben blind und blöde diesem wahnwitzigen Befehle gehorcht. Wir haben die Dürstenden aufgesucht, die Hungernden, die Kranken, die Aussätzigen, die Schwachen, die Elenden, und – wir sind selbst dabei dürstend, hungernd, krank, elend geworden! Wir haben unser Leben hingebracht, Gefallene aufzurichten, Zweifelnden zu raten, Betrübte zu trösten – und wir sind selbst dabei verzweifelt! Wir haben dem, der uns Weib und Kinder gemordet, der uns den eigenen Herd mit der Axt der Zwietracht gespalten, wir haben ihm nicht den schurkischen Schädel zerschmettert, – wir haben ihm – eine Hütte erbaut, in der er friedlich erschauen kann das Ende der Tage!”

Furchtbarer Hohn bebte in seiner Stimme. – “Der, den sie als Messias preisen, hat die ganze Welt zum Siechenhaus gemacht. Die Schwachen, Elenden, Hinfälligen nennt er seine Kinder und Lieblinge. Und die Starken, die sind dazu da, diese kraftlose Brut zu beschützen, zu besorgen, zu bedienen!? Und wenn ich es in mir fühle heiß, innig und himmlisch, das stürmende Drängen nach Licht, und wenn ich mit festem Fuß den steilen, steinigen Pfad der Erreichung aufwärts steige, und wenn ich es leuchten sehe, das lodernde, göttliche Ziel, – dann soll ich mich zu dem Krüppel bücken, der am Wege zusammengesunken dahockt, soll ihn loben, aufrichten, mitschleppen und soll meine fiebernde Kraft versichern lassen in dem ohnmächtigen Kadaver, der nach wenigen Schritten doch wieder hintaumelt? – Wie sollen wir denn hinauf, wenn wir unsere Stärke den Elenden leihen, den Bedrängten, den faulen, sinn- und marklosen Schurken?!” – Eine Unruhe erhob sich, ein Murren.

“Schweigen!” donnerte der Schwarze. “Zu feig sind Sie, einzugestehen, daß dem so ist. Sie wollen ewig im Sumpfe fortwaten; Sie glauben, Sie sehen den Himmel, weil Sie das schauen, was sich schmutzig in der Gosse spiegelt. – - Verstehen Sie mich doch! Man hat unsere Kraft an die Erde gebunden. Elend muß sie verglimmen auf dem Opferherde der Barmherzigkeit. Einzig dazu soll sie gut sein, den Weihrauch des Mitleids zu entzünden, den Dunst, der unsere eigenen Sinne betäuben soll? Sie, die Kraft, die bis zum Himmel züngeln kann in freier, großer, jauchzender Flamme?!”

Türchen 3: Ein Bärenleben – Teil 2

3. Dezember 2007 - 0:00 Uhr

Jan und Julia waren kaum zu halten. Die Straßen waren festlich geschmückt und in vielen Schaufensterauslagen machten für ein paar Wochen die angebotenen Waren Platz für Winterlandschaften, Märchenwelten, nickende Nikoläuse und sich im Kreis drehende Engel.

Die Kinder vergaßen die Zeit und auch die Tatsache, dass es feucht und kalt war. Hier in der Stadt hatte der Schnee zur Zeit noch keine Chance. Während es im Dorf zu hause schon für einen leichten Zuckergussanstrich reichte, gab es hier nur einen unangenehmen Nieselregen.

Frau Hansen bemerkte die Kälte schon. Ihr Sinn stand derzeit nach irgend etwas Warmem. Die Maronen, die sie gekauft hatte, konnten nur bedingt diesen Wunsch erfüllen. Maronen sind ein Glücksspiel: mal gewinnt man, mal verliert man. Dieses Mal war die Tüte leider mit einigen Nieten bestückt. Für jeden sprang nur eine wirklich heile Marone heraus. Noch eine Tüte wollte sie aber nicht kaufen. Sie musste schon ein wenig auf die Haushaltskasse schauen. Zwei Kinder, gerade ein Haus gekauft, da muss man schon rechnen. „Es ist wie im Lotto,“ dachte Frau Hansen, „der große Treffer bleibt einfach aus.“ Sie und ihr Mann spielten jede Woche einen Schein, aber mehr als einmal vier Richtige wollten es noch nicht werden.
Ihr Mann sagte nach jeder Ziehung:„Was haben wir mal wieder für ein unverschämtes Glück, Geld verdirbt den Charakter.“ Sie liebte seine leichte Art, sich mit den Dingen, so wie sie sind, abzufinden. Aber ein klein wenig mehr und ein bisschen Rechnerei weniger wäre doch auch ganz schön.

Frau Hansen wusste, was sie jetzt braucht: Den kleinen Spielzeugladen, der etwas versteckt vom Trubel in einer Seitengasse lag. Dort war es warm, die Kinder konnte sie einen Moment getrost von der Hand lassen und mit dem Besitzer, einem älterer Herrn, der schon den Laden von seinem Vater geerbt hat, konnte man so wunderbar reden.

Modenschau Advent 2007

2. Dezember 2007 - 11:10 Uhr

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Das eher weiche Material “Buchsbaum” ersetzt in diesem Jahr die traditionellen Nadelhölzer. Der Schnitt bleibt jedoch klassisch, ja nahezu streng. Auch farblich geht der Trend weg vom Rot hin zu einem leuchtenden Mandarin. Die Accessoires dagegen sind weniger verspielt, nahezu volkstümlich. Der Rückgriff auf klassische Gewürze bietet gleichzeitig geschickt einen Ersatz für die normalerweise Duft tragende Komponente “Tanne”. Eine durchaus tragbare Mode, die mit Traditionen spielt ohne sie zu brechen.

Türchen 2: Rainer Maria Rilke: Der Apostel – Teil 1

2. Dezember 2007 - 0:00 Uhr

Gasttafel im ersten Hotel von N. – An die Marmorwände des hohen, hell erleuchteten Saales brandet Raunen der Menschen und Rasseln der Messer. Geschäftig, gleich lautlosen Schatten, huschen die schwarzbefrackten Diener mit den silbernen Platten hierhin und dorthin. Aus den blanken, hochbeinigen Eiskübeln blinzeln die Sektflaschen nach den flachen Weinschalen hin. Alles glänzt und flimmert in den Strahlen der elektrischen Lampen. Die Augen und die Schmucksteine der Damen, die Glatzen der Herren und endlich die Worte, die hin und wider hüpfen wie Feuerfunken. Wenn sie zünden, schlägt einmal nah, einmal fern die grelle Lohe eines kurzen Lachens aus einer Frauenkehle. Dann schlürfen die Damen eifrig die duftende Brühe aus den feinen, durchschimmernden Tassen, während die jüngeren Herren den Kneifer über die Nase spreizen und mit kritischem Blick die bunte Tafelrunde mustern.

Sie saßen alle schon seit Tagen so beisammen. Nur am Ende des Tisches hatte ein neuer, fremder Gast Platz genommen. Die Herren ließen ihr Auge flüchtig über diese Erscheinung weggleiten, denn der bleiche, ernste Mann, der dort unten saß, trug nicht modische Kleidung. Ein hoher, schneeweißer Kragen schmiegte sich bis an sein Kinn hinauf, und die breite, schwarze Binde, die man im ersten Dritteil unseres Jahrhunderts trug, umschloß den Hals. Der schwarze Rock ließ kein Stückchen der Hemdbrust sehen und lag feierlich auf den breiten Schultern. Was aber die Herren noch unangenehmer berührte, war das große, graue Auge des Ankömmlings, das hoheitsvoll und mächtig durch die ganze Gesellschaft, durch die Wandung des Raumes zu dringen schien, und das leuchtete, als ob ein fernes, schimmerndes Ziel sich beständig drin spiegelte. Dieses Auge veranlaßte die neugierigen, heimlichen Blicke der Frauen. Man munkelte sich über den Tisch hinüber Vermutungen zu, man stieß sich ganz leise mit den Füßen an, man fragte, forschte, zuckte die Achseln und wurde trotz alledem nicht klüger.

Im Mittelpunkt der Unterhaltung stand die polnische Baronin Vilovsky, eine geistreiche, jüngere Wittib. Auch sie schien schon Interesse für den schweigsamen Fremdling gefaßt zu haben. Ihre schwarzen, großen Augen hingen mit auffallender Ausdauer an seinen durchgeistigten Zügen. Ihre schmale Hand trommelte nervös auf dem weißen Damast des Tischtuches, daß der prächtige Brillant auf dem kleinen Finger Blitz um Blitz schoß. Sie griff in begieriger, kindischer Hast bald dies, bald jenes Thema auf und brach dasselbe in einer Weile jäh und trotzig ab; denn der Fremde wollte sich durchaus nicht beteiligen. – Sie hielt ihn für einen Künstler. In bewundernswert feiner Art wußte sie um alle Künste nach und nach den Faden des Gespräches zu schlingen. Umsonst. Der schwarze Herr schaute groß und ernst ins Weite. – Baronin Vilovsky aber gab sich nicht verloren.

“Sie haben doch von dem großen Brandunglück im Dorfe B. gehört?” wandte sie sich zu einem Herrn an ihrer Seite. Und als man bejahte: “Ich denke, wir bilden ein Komitee, das irgend eine Wohltätigkeitsveranstaltung, verbunden mit Sammlung, ins Leben rufen soll?”

Sie sah fragend umher. Lauter Beifall lohnte ihr. Über die Züge des Unbekannten huschte ein höhnisches Lächeln. Die Freiin fühlte dieses Lächeln, ohne daß sie es sah: Zorn wühlte in ihr.

“Sind alle einverstanden?” rief sie jetzt im Ton einer Herrscherin, die keinen Widerspruch erwartet. Ein Stimmenchaos: “Ja!” “Einverstanden!” “Natürlich!”

Mein Gegenüber, ein Kölner Bankherr, legte schon wie beteuernd seine Hand auf die Brusttasche, in welcher sich die Banknoten stauten.

Türchen 1: Ein Bärenleben – Teil 1

1. Dezember 2007 - 0:00 Uhr

Wie in den letzten Jahren fuhr Frau Hansen mit ihren Kindern in der Adventszeit in die Stadt, um Geschenkideen zu sammeln und auch selbst den festlichen Glanz der geschmückten Straßen ein wenig zu genießen. Sie betrachte diesen Tag immer mit gemischten Gefühlen. Sie liebte es, wenn ihre Kinder mit großen Augen und offenem Mund durch die weihnachtlich geschmückten Straßen gingen und alles aufnahmen, als hätten sie dies noch nie gesehen. Irgendwo knapp vor dem Vergessen hatte sie dann noch eine Idee davon, wie es war selbst ein Kind zu sein. Auf der anderen Seite passte das Gedränge und Geschiebe einfach nicht in ihr Bild von Weihnachten, das doch mit Ruhe und Freude zu tun haben sollte.

Ohnehin zog sie ihr kleines Dorf dem lauten Treiben und getrieben werden vor. Die Kinder waren aufgeregt und waren wohl für manchen in der Straßenbahn zu laut. Frau Hansen spürte die Blicke derer, die sich in ihrer Hast gestört fühlten, aber die beiden malten sich in sprudelnden Worten den Tag aus und zankten sich in regem Wechsel. Alle Versuche, die beiden zur Ruhe zu bringen, scheiterten kläglich.

„KINDER“ rief plötzlich eine Stimme und Frau Hansen sah in die freundlich lachenden Augen einer älteren Dame, die ihr schon eine ganze Weile gegenüber gesessen haben muss. „Ach ja!“ seufzte Frau Hansen. „Kümmern sie sich doch nicht so sehr um die Leute, genießen sie die Zeit.“ sagte die alte Dame, „Es geht alles viel zu schnell vorbei und bald wünschen sie sich diese schöne Zeit wieder zurück. Glauben sie mir. Ich habe zwei Söhne und eine Tochter. Sie waren so schnell erwachsen. Jetzt, bei meinen Enkelkindern, kann ich mir Ruhe gönnen. Aber ich merke auch, wie sehr mir das bei meinen Kindern gefehlt hat.“

„Wie heißt ihr denn?“ wendete sich die ältere Dame an Frau Hansens Kinder. „Julia!“ „Ein schöner Name. Wie alt bist Du denn?“ „Sechs. Ich geh schon zur Schule.“ „Oh, was magst Du denn am liebsten?“ „Mathe!“ „Und ich bin Jan!“ Jan gab der älteren Dame die Hand und verbeugte sich. „Oh, was ist denn das?“ „Das hab ich im Kindergarten gelernt. Wenn ich groß bin werde ich mal Kavalarier.“ „Das heißt Kavalier!“ sagte Julia und rollte die Augen. „Und das ist kein Beruf.“ „Prinzessin auch nicht. Du wirst sowieso nur Aschenputtel!“ „Zwerg Nase!“ „Aschenputtel!“ „Zwerg …“ – „Kinder, hier müssen wir raus!“ Frau Hansen nahm ihre Kinder bei der Hand und verabschiedete sich von der netten älteren Dame und bahnte sich ihren Weg zum Ausstieg.

Als sich die Tür hinter ihr schloss, kam es ihr vor, als klinge in dem Zischen ein Seufzer der armen gehetzten Seelen mit, die nun wieder in Ruhe den eigenen hektischen Gedanken nachjagen konnten. Nur eine ältere Frau winkte den Dreien nach.