Archiv 7. Dezember 2007

Türchen 7: Ein Bärenleben – Teil 3

7. Dezember 2007 - 0:00 Uhr

Herr Köstmann ließ die Werbung an sich vorbeigehen. Er verkaufte nicht, was gerade wild beworben wurde, sondern dass, womit Kinder wirklich spielen wollen. Es kam ihm in seinem Alter nicht mehr darauf an, möglichst viel Gewinn zu machen. Sein Sohn wollte den Laden nicht übernehmen. Wenn er nicht mehr in der Lage war, den Laden zu führen, würde er verschwinden. Er hatte es eigentlich nicht mehr nötig, jeden Tag in seinem Laden zu stehen. Das Polster aus besseren Tagen und die Tatsache, dass alles was ihn umgab, ihm gehörte, versetzte ihn in die Lage, sich ganz dem zu widmen, was er liebte: schöne Spielsachen und spielende Kinder.

Als Frau Hansen eintrat, stürmten Jan und Julia sofort los. Die beiden mochten dieses Geschäft fast genauso wie ihre Mutter. Hier durften sie tatsächlich spielen und nicht nur an der Hand der Mutter staunen. „Guten Tag Frau Hansen! Schön, das sie mal wieder hier sind.“ begrüßte sie Herr Köstmann. Sie mochte es, wenn sie nicht nur anonymer Käufer war, sondern wiedererkannt wurde. Die beiden plauderten eine ganze Weile, bis Frau Hansen auffiel, dass Jan ganz gegen seine Art schon eine ganze Weile stumm einen Teddybären begutachtete. Er schaute ihn nur an und fühlte mit seinen kleinen Händen das Fell. Er war auf einmal gar nicht mehr so stürmisch wie sonst. Er ließ den Teddy stehen, wo er ist und fühlte einfach nur das zottelige Fell.

„Gefällt er dir?“ fragte Frau Hansen. „Ja, schon.“ antwortete Jan. Frau Hansen schaute sich den Teddy an, um ganz unauffällig auch einen Blick auf den Preis zu erhaschen. 22 DM (Herr Köstmann hatte auch hier eine etwas eigenwillige Art, die 90′er Pfennige zu missachten). Ihr Sohn war durchaus preisbewusst.