Die bösen, bösen Lokomotivführer!
4. August 2007 - 20:18 UhrWie können die nur! Deutschland wird nächste Woche an den Rande des Ruins gebracht, wenn die Lokführer streiken. Dabei hat doch der gütige Herr Mehdorn ein so tolles Angebot gemacht. Und die undankbaren Lokomotivführer wollen trotzdem streiken.
Sorry, aber die Rechnung geht nicht ganz auf, auch wenn es kreuz und quer in der Presse breitgetreten wird. Es ist schon erstaunlich, dass man schwerlich finden kann
- dass die Reallöhne der Lokomotivführer seit 2004 um 9.77% gesunken sind
- im europäischen Vergleich mit Frankreich, Niederlande, Italien, Spanien und der Schweiz die Kollegen mindestens 26% mehr Geld in der Tasche haben
- die Bundesbahn insgesamt 50% der Stellen seit 1990 abgebaut hat.
Ach ja, Herr Mehdorn weint ja auch darüber, dass bei der Konkurrenz in Deutschland nur 2-3% mehr ausgehandelt wurden. Das ist natürlich ungerecht. Außer man verschweigt, dass dort bisher auch 9,4% mehr gezahlt wurde.
Ich frage mich nur, warum diese Seite so selten beleuchtet wird. Da darf sich Mehdorn auch mal mit so schönen Sätzen wie “Die Sicherheit des Bahnverkehrs ist heilig und steht auch über Streik.” als Kreuzritter der Schiene darstellen. Irgendwie ist mir da das Meinungsbild sehr unausgewogen. Und da viele Bahnreisenden wohl in ihrem täglichen Ablauf gestört werden, werden wohl wenige Verständnis für die Forderungen haben. Die Fokusierung auf die Zahl “31%” (wobei hier schon wieder ein zwischen 26 und 31% fehlt) wirkt natürlich zuerst einmal unverschämt, aber bei genauerer Betrachtung sind es die gebotenen 4,5% eben genauso.
Es gibt Fernsehserien, an die man sich seit der Kindheit gerne erinnert. Zum Beispiel Bernhard Grzimeks “Ein Platz für Tiere”. Vielleicht hat der Eine oder die Andere auch noch Sätze wie “Diese kleinen possierlichen Tierchen” oder die Begrüßung “Guten Abend, meine lieben Freunde” und Herrn Grzimeks einzigartige Stimme im Ohr. 

