Arme Jungs

28. Mai 2007 - 17:22 Uhr

Unter dem Titel “Das Leiden der jungen Männer” zeichnet Franz Walter ein erstaunliches Bild unter Bezug auf die Studie “20-Jährige Frauen und Männer heute“.

Während die jungen Damen optimistisch und vergnügt in die Zukunft blicken, geben sich die Jungs eher pessimistisch und geprägt von Versagensängsten, nicht nur im beruflichen Rahmen sondern auch im Verhältnis zur Damenwelt. Schlimmer noch: Sie sehen sich als Opfer der Entwicklung und in der passiven Rolle. Zitat aus der Studie:

Die Männer sind mit Blick auf die Zukunft unsicher, welche Rolle(n) Frauen von ihnen erwarten und sehen sich unter dem Druck, die unterschiedlichsten Facetten von Mann-sein spielen zu können. Die Männer sehen sich unter hohem Performance-Druck. Sie können und sollen heute auf alle Ansprüche flexibel reagieren: Sie sollen Frauen- Versteher, durchtrainierter Macho, Kinderwagen schiebender Papa oder Karrieretyp sein. Das Dilemma ist: Egal, für welche Rolle sie sich entscheiden, der Erfolg (v.a. in der Partnerschaft) ist ihnen nicht garantiert. Im Gegenteil: Männer heute befürchten, dass in Wahrheit die Frauen die wichtigen Entscheidungen fällen und sie, die Männer, gar nicht mehr brauchen. Es bestehen große Ängste, einmal “von der Partnerin sitzengelassen zu werden” (Passivform!), ohne etwas objektiv falsch gemacht zu haben. Partnerschaft ist für die jungen Männer heute ein Wagnis, das sie sicher eingehen werden: Aber im Unterschied zu früher ist Partnerschaft für Männer mit gestiegenen Anforderungen verbunden – und trotzdem unkalkulierbar und mit ungewissem Ausgang.

Wie konnte es nur so weit kommen? Ich rate einfach mal ganz mutig, dass dies an der Männerbewegung der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts liegt. Wem diese Bewegung unbekannt ist, hat recht, denn sie hat in dieser Form nie stattgefunden. Während sich die Frauenbewegung zu Recht neue Rollen und deren gesellschaftliche Anerkennung erstritten hat, blieb Mann dabei eher passiv im Weg stehen, statt im Diskurs auch für Männer neue Rollen zu beanspruchen und gesellschaftlich zu etablieren. Natürlich steht heute auch der gesamte Spielraum abseits des “Habe Feuer gemacht und Bären erlegt” offen, aber eine aktive gesellschaftliche Verankerung und Anerkennung ist halt bisher kaum erfolgt. Wohl eher eine selbstverschuldete Situation, wenn Frauen die gesamte Bandbreite aller Rollen charmant spielen können, während Mann immer noch im tradierten Bild gefangen ist.

Politisch korrekt und modern ist heute ein Mann, der selbstverständlich bereit ist und die intrinsische Motivation hat, die Erziehung seiner Kinder aktiv mitzugestalten, dafür auch zu Hause bleiben würde, sich die Erziehungszeit mit seiner Partnerin zu teilen, auf eigene ehrgeizige Berufsambitionen zugunsten der Famlie zu verzichten und eventuell teilzeit zu arbeiten.

Gleichzeitig erleben die jungen Männer, dass im Freundeskreis und in der Gesellschaft das traditionelle Männerbild die Erwartungen an sie prägt: Der Mann als Macher und Entscheider; stark, zielstrebig, taff, erfolgreich, nach Macht und Ansehen strebend – gleichzeitig aber entspannt, cool, locker, selbst im größten Streß gelassen.

Was denn nun? Sollen sie erst steile Karriere machen, um nach der Geburt eines Kindes alles selbstlos aufzugeben – mit dem nicht geringen Risiko, bei anderen (erfolgreichen) Männern als “Weichei” dazustehen; später doch von ihrer Partnerin verlassen zu werden (hohe Scheidungsraten lassen solches vermuten), die sie dann auch noch finanzieren müssen (womit, wenn sie vorher ihren gut bezahlten Job aufgeben haben)?

You have to fight for your right to be a Weichei ;-).

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